2. Tag (2015)

Sündern nahe sein

 

Schrifttext (Lk 15,1-5)

In jener Zeit kamen alle Zöllner und Jünger zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eines davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern.


Impuls

Im Aufruf unseres jetzigen Papstes Franziskus, an die Ränder zu gehen, ist zunächst nicht an geografische
Randgebiete gedacht, sein Anliegen ist es vielmehr,
an die Grenzen der menschlichen Existenz zu gehen.
Ausdrücklich nennt er in seiner Rede im Vorkonklave
an erster Stelle das Mysterium der Sünde. Es geht
nicht darum, die Sünder zu verurteilen oder auszuschließen, sondern ihnen nahe zu sein, ihnen die Kirche als das immer offene Haus des Vaters zu zeigen,
so Papst Franziskus. Vgl. EG 47 Näher beschreibt er das so: „Eine Kirche ›im Aufbruch‹ ist eine Kirche mit offenen Türen. Zu den anderen hinauszugehen, um an
die menschlichen Randgebiete zu gelangen, bedeutet
nicht, richtungs- und sinnlos auf die Welt zuzulaufen. Oftmals ist es besser, den Schritt zu verlangsamen, die Ängstlichkeit abzulegen, um dem anderen in die Augen zu sehen und zuzuhören … um den zu begleiten, der am Straßenrand geblieben ist. Manchmal ist sie wie der Vater des verlorenen Sohns, der die Türen offen lässt, damit der Sohn, wenn er  zurückkommt, ohne Schwierigkeiten eintreten kann.“ EG 46 „Die Kirche ist keine Zollstation, sie ist das Vaterhaus, wo Platz ist für jeden mit seinem mühevollen Leben.“ EG 47 „Die Kirche muss der Ort der ungeschuldeten Barmherzigkeit sein, wo alle sich  aufgenommen und geliebt fühlen können, wo sie Verzeihung erfahren und sich ermutigt fühlen können, gemäß dem guten Leben des Evangeliums zu leben.“ EG 114

An die Grenzen der menschlichen Existenz zu gehen, den Sündern nahe zu sein, betrifft  nicht nur die anderen, es geht auch um jede, um jeden von uns, um dich und mich. In diesem Sinne möchten wir den Aufruf von Papst Franziskus verstehen, wenn er schreibt: „Ich lade jeden Christen ein … noch heute seine persönliche Begegnung mit Jesus Christus zu erneuern oder zumindest den Entschluss zu fassen, sich von ihm finden zu lassen, ihn jeden Tag ohne Unterlass zu suchen … Es tut uns gut, zu ihm zurückzukehren, wenn wir uns verloren haben! Ich beharre noch einmal darauf: Gott wird niemals müde zu verzeihen; wir sind es, die müde werden, um sein Erbarmen zu bitten … Ein ums andere Mal lädt er uns wieder auf seine Schultern. Niemand kann uns die Würde nehmen, die diese  unendliche und unerschütterliche Liebe uns verleiht. Mit einem Feingefühl, das uns niemals enttäuscht und uns immer die Freude zurückgeben kann, erlaubt er uns, das Haupt zu erheben und neu zu beginnen.“ EG 3


Fürbitten

Gott war und ist allen nahe, die in Sünde leben. Bitten wir ihn:

• Für alle, die in Korruption verstrickt sind, führe sie zurück auf den Weg der Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit:

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

• Für die, die andere ausnutzen und versklaven, öffne ihnen die Augen für die Würde eines jeden Menschen und führe sie zur Umkehr:

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

• Für uns selbst, lass uns nicht müde werden, um dein Erbarmen zu bitten und auf deine Barmherzigkeit zu vertrauen:

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


Gebet

Barmherziger Gott, lass uns immer wieder umkehren. Hilf deiner Kirche, ein Ort der ungeschuldeten Barmherzigkeit zu sein, wo alle sich aufgenommen und geliebt fühlen können, wo sie Verzeihung erfahren und sich ermutigt fühlen können. Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn. Amen.


Gedanke für den Tag

„Und wenn er es
gefunden hat, nimmt
er es voll Freude auf
die Schultern.“ Lk 15,5

 

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