3. Tag (2015)

Leid und Schmerz teilen

 

Schrifttext (Lk 13,10-13)

In jener Zeit lehrte Jesus am Sabbat in einer Synagoge. Dort saß eine Frau, die seit  achtzehn Jahren krank war, weil sie von einem Dämon geplagt wurde; ihr Rücken war verkrümmt, und sie konnte nicht mehr aufrecht gehen. Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte: Frau, du bist von deinem Leiden erlöst. Und er legte ihr die Hände auf. Im  gleichen Augenblick richtete sie sich auf und pries Gott.


Impuls

Leiden und Schmerz zu teilen, ist eine Geistes- und
Herzenshaltung dessen, der im Mitmenschen das
Abbild Gottes erkennt. Im Schlussdokument der
Dritten Generalversammlung des lateinamerikanischen
Bischofsrates von Puebla aus dem Jahr 1979
findet sich eine Situationsanalyse, die auch eine
Schilderung der heutigen Lage in Mittel- und Osteuropa
sein könnte: „Die Situation der weit verbreiteten
extremen Armut zeigt sich im wirklichen Leben
in sehr konkreten Gesichtern, in denen wir die Züge des leidenden Christus erkennen sollten, des Herrn,
der uns hinterfragt und herausfordert“: Puebla 31

• Gesichter von Kindern, die schon vom Mutterschoß an durch Armut und Unterernährung zu einem Leben mit Behinderungen verurteilt sind; Kinder, die auf der Straße leben und ausgebeutet werden. Puebla 32

• Gesichter von Jugendlichen, desorientiert, da sie ihren Platz in der Gesellschaft nicht finden; frustriert…, da sie kaum Bildungs- noch Arbeitsmöglichkeiten haben. Puebla 33

• Gesichter von Arbeitern, die schlecht bezahlt werden und Schwierigkeiten haben, sich zu organisieren und ihre Rechte zu verteidigen. Puebla 36

• Gesichter von Arbeitslosen, die in Krisenzeiten entlassen werden, da wirtschaftliche Vorteile einiger wichtiger sind als das Wohlergehen ganzer Familien. Puebla 37

• Gesichter derer, die am Rande der Städte in Armut leben und gleichzeitig mit dem Reichtum anderer konfrontiert werden. Puebla 38

• Gesichter alter Menschen, die immer zahlreicher werden, oft an den Rand der Gesellschaft und des Fortschritts gedrängt, weil sie nicht mehr gebraucht werden.“ Puebla 39

Wieviel Leid entsteht aus dem „Mangel an Respekt vor der Würde des Menschen als Bild  und Gleichnis des Schöpfers und vor dessen unveräußerlichen Rechten als Kind Gottes“! Puebla 40 Jesus lehrt uns, dass wir im Mitmenschen Gott, der unser menschliches Fleisch angenommen hat, finden: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“. Mt 25,40; vgl. EG 178/179 Auf diesem Hintergrund wird verständlich,  weshalb Papst Franziskus die Christen immer wieder dazu aufruft, an die Ränder zu gehen, dort gegenwärtig zu sein, wo Leid und Schmerz Leben verhindern und unterdrücken, dort „wo das Licht und das Leben des Auferstandenen am meisten fehlen.“ EG 30 Er erinnert uns daran, dass wir alle aufgerufen sind, „das Evangelium der Brüderlichkeit und der Gerechtigkeit zu leben!“ EG 179 Denn „wie die Kirche von Natur aus missionarisch ist, so entspringt aus dieser Natur zwangsläufig die wirkliche Nächstenliebe, das Mitgefühl, das versteht, beisteht und fördert.“ EG 179 Das Beispiel Jesu in den Evangelien ist für uns Orientierung und Ansporn, Leid und Schmerz zu teilen, nicht gleichgültig zu sein gegenüber Mitmenschen in Lebenskrisen, in Trauer und Schmerz.


Fürbitten

Gott lädt uns ein, Leid und Schmerz zu teilen, wir bitten ihn:

• Für Menschen in Mittel- und Osteuropa, die als Kinder während der kommunistischen Zeit in staatlichen Heimen ohne die nötige Liebe und Zuwendung aufgewachsen sind, dass sie ihren Platz in der Gesellschaft finden:

A: Herr, erhöre uns.

• Für die Roma, die oft buchstäblich am Rande unserer Dörfer und Städte leben, dass sie Menschen begegnen, die sie nicht ausgrenzen, sondern sie in ihrer Eigenart annehmen und ihnen helfen, gleichberechtigt am Leben der Gesellschaft teilzuhaben:

A: Herr, erhöre uns.

• Für alte und kranke Menschen, die das Gefühl haben, nicht mehr gebraucht zu werden, dass sie Nähe und Zuneigung erfahren:

A: Herr, erhöre uns.


Gebet

Gott, lass uns teilhaben an deiner lebenspendenden Kraft. Hilf uns, dass wir Zeit haben für unsere Schwestern und Brüder, damit sie sich dank unserer Zuwendung mehr geliebt und getröstet fühlen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.


Gedanke für den Tag

„Im gleichen Augenblick
richtete sie sich
auf und pries Gott.“ Lk 13,13

 

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