4. Tag (2015)

Gegen Ungerechtigkeit aufstehen

 

Schrifttext (Mt 13,24-28a)

In jener Zeit erzählte Jesus der Menge das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder fort. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da gingen die Knechte zum Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker  gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan.


Impuls

Gegen Ungerechtigkeit aufzustehen erfordert ein klares Nein zur sozialen Ungleichheit als deren Folge „sich große Massen der Bevölkerung ausgeschlossen und an den Rand gedrängt sehen: ohne Arbeit, ohne  Aussichten, ohne Ausweg. Der Mensch an sich wird wie ein Konsumgut betrachtet, das man gebrauchen und dann wegwerfen kann… Es geht nicht mehr einfach um das Phänomen der Ausbeutung und der Unterdrückung, sondern um etwas Neues: Mit der Ausschließung ist die Zugehörigkeit zu der Gesellschaft, in der man lebt, an ihrer Wurzel getroffen, denn durch sie befindet man sich nicht in der Unterschicht, am Rande oder gehört zu den Machtlosen, sondern man steht draußen. Die Ausgeschlossenen sind nicht ›Ausgebeutete‹, sondern Müll, ›Abfall‹.“ EG 53 Papst Franziskus weist darauf hin, dass am Ursprung der weltweiten Krise des Finanzwesens und der Wirtschaft die Leugnung des Vorrangs des Menschen steht. Vgl. EG 55

Er warnt davor, dass in einem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen System, das an der Wurzel ungerecht ist, in dem es soziale Ungleichheit gibt und die Gesellschaft einen Teil ihrer selbst in den Randgebieten seinem Schicksal überlässt, Unruhen und gewaltsame Reaktionen entstehen können. „Das Böse, dem man einwilligt, das heißt die Ungerechtigkeit“, neige dazu, „ihre schädigende Kraft auszudehnen und im Stillen die Grundlagen jeden politischen und sozialen Systems aus den Angeln zu heben.“ EG 59

Trotz dieser deprimierenden Realität hat für uns Christen das Böse, die Ungerechtigkeit, nicht das letzte Wort. Wir alle sind aufgefordert, gegen Unrecht aufzustehen und unseren Beitrag für eine gerechtere und menschlichere Welt zu leisten. Die Ungerechtigkeit in unserer heutigen Welt sollte uns nicht entmutigen, sondern anspornen, Wege der Veränderung zu suchen und zu gehen. Dazu lädt uns Papst Franziskus ein, wenn er schreibt: „Die Übel unserer Welt – und die der Kirche – dürften niemals Entschuldigungen sein, um unseren Eifer zu verringern. Betrachten wir sie als Herausforderungen, um zu wachsen. Außerdem ist der Blick des Glaubens fähig, das Licht zu erkennen, das der Heilige Geist immer inmitten der Dunkelheit verbreitet. Er vergisst nicht, dass ‚wo die Sünde mächtig wurde, die Gnade übergroß geworden ist‘ Röm 5,20. Unser Glaube ist herausgefordert, den Wein zu erahnen, in den das Wasser verwandelt werden kann, und den Weizen zu entdecken, der inmitten des Unkrauts wächst.“ EG 84


Fürbitten

Als Folge von Ungleichheit und Ungerechtigkeit sind große Massen der Bevölkerung von der Gesellschaft ausgeschlossen und an den Rand gedrängt. Bitten wir Gott:

• Für die Menschen ohne Arbeit, ohne Aussichten, ohne Ausweg, dass sie bei anderen Sensibilität erleben für das Unrecht, das ihnen angetan wird:

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

• Für Arbeitskräfte, die ausgebeutet und wie Wegwerfprodukte behandelt werden, dass Wege zu einer gerechteren Wirtschaftsordnung gefunden werden, in der alle Menschen in Würde leben können:

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

• Für uns selbst, dass wir trotz aller Ungerechtigkeit nicht mutlos werden, sondern Wege der Veränderung suchen und gehen:

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


Gebet

Gott der Gerechtigkeit, lass uns im Glauben das Licht erkennen, das der Heilige Geist immer inmitten der Dunkelheit verbreitet. Gib uns die Gnade, den Wein zu erahnen, in den das Wasser verwandelt werden kann, und den Weizen zu entdecken, der inmitten des Unkrauts wächst. Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn. Amen.


Gedanke für den Tag

„Herr, hast du nicht
guten Samen auf
deinen Acker gesät?“Mt 13,27

 

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