6. Tag (2015)

Horizonte weiten

 

Schrifttext (Mk 2,18-19a.21-24.28)

Da die Jünger des Johannes und die Pharisäer zu fasten pflegten, kamen Leute zu Jesus und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer fasten? Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste  fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Niemand näht ein Stück neuen Stoff auf ein altes Kleid; denn der neue Stoff reißt doch vom alten Kleid ab, und es entsteht ein noch größerer Riss. Auch füllt niemand neuen Wein in alte Schläuche. Sonst zerreißt der Wein die Schläuche; der Wein ist verloren, und die Schläuche sind unbrauchbar. Neuer Wein gehört in neue Schläuche. An einem Sabbat ging er durch die Kornfelder, und unterwegs rissen seine Jünger Ähren ab. Da sagten die Pharisäer zu ihm: Sieh dir an, was sie tun! Das ist doch am Sabbat verboten. Er antwortete: Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat. Deshalb ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.“


Impuls

Horizonte weiten, das ist leichter gesagt als getan.
Es ist an erster Stelle wohl auch eine Aufforderung, die „Ränder“ bzw. die „Enge“ in unserem eigenen Leben zu entdecken: Enge im Denken, die zu  fundamentalistischen Haltungen führen kann, fehlende
Offenheit zum Dialog, fehlende Bereitschaft, unser eigenes Leben zu hinterfragen und aufzubrechen, Versuchung, unseren eigenen Vorteil zu suchen ohne Rücksicht auf andere … Horizonte zu weiten erfordert vor allem aufgeschlossen zu bleiben für die anderen und für Neues sowohl auf persönlicher als auch auf globaler Ebene.

Für Papst Franziskus beinhaltet das besonders, den Individualismus mit seinen schwerwiegenden Folgen zu überwinden, denn „die große Gefahr der Welt von heute … ist eine individualistische Traurigkeit, die aus einem bequemen, begehrlichen Herzen hervorgeht, aus der krankhaften Suche nach oberflächlichen Vergnügungen, aus einer abgeschotteten Geisteshaltung. Wenn das innere Leben sich in den eigenen Interessen verschließt, gibt es keinen Raum mehr für die anderen, finden die Armen keinen Einlass  mehr, hört man nicht mehr die Stimme Gottes, genießt man nicht mehr die innige Freude über seine Liebe, regt sich nicht die Begeisterung, das Gute zu tun.“ EG 2 „Die Welt wird von Kriegen und von Gewalt heimgesucht oder ist durch einen verbreiteten Individualismus verletzt, der die Menschen trennt und sie gegeneinander stellt, indem jeder dem eigenen Wohlstand nachjagt.“ EG 99 Der Heilige Vater bittet die Christen dem gegenüber um ein „Zeugnis brüderlichen Miteinanders“. Die Liebe der Jünger Jesu sei es, „was Jesus mit intensivem Gebet vom Vater erbeten hat: ‚Alle sollen eins sein … in uns … damit die Welt glaubt‘ Joh 17,21“. EG 99

Letztlich kann nur der Heilige Geist „die Verschiedenheit,… die Vielfalt hervorbringen und zugleich die Einheit verwirklichen. Wenn hingegen wir es sind, die auf die Verschiedenheit  beharren, und uns … in unsere Ausschließlichkeiten zurückziehen, verursachen wir die  Spaltung, und wenn andererseits wir mit unseren menschlichen Plänen die Einheit schaffen wollen, zwingen wir schließlich die Eintönigkeit, die Vereinheitlichung auf.“ EG 131 Papst Franziskus ermutigt uns: „Wenn wir die ‚Mystik‘ leben, auf die anderen  zuzugehen und ihr Wohl zu suchen, weiten wir unser Inneres, um die schönsten
Geschenke des Herrn zu empfangen. Jedes Mal wenn wir einem Menschen in Liebe  begegnen, werden wir fähig, etwas Neues von Gott zu entdecken. … Die Aufgabe der Evangelisierung bereichert Herz und Sinn, eröffnet uns geistliche Horizonte, macht uns empfänglicher, um das Wirken des Heiligen Geistes zu erkennen, und führt uns aus unseren engen geistlichen Schablonen heraus.“ EG 272


Fürbitten

Christus will für alle ein Leben in Fülle. Bitten wir ihn:

• Um Offenheit, die Überzeugungen Andersdenkender zu verstehen:

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

• Um Überwindung des Individualismus mit seinen schwerwiegenden Folgen:

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

• Um Aufgeschlossenheit für Neues, sowohl auf persönlicher als auch auf weltweiter Ebene:

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


Gebet

Guter Gott, dein Geist kann unseren Horizont weiten. Gib uns diesen Geist, damit wir uns nicht in unserer Enge verschließen, sondern offen bleiben für das Leben in Fülle. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.


Gedanke für den Tag

„Der Sabbat ist für
den Menschen da,
nicht der Mensch
für den Sabbat.“ Mk 2,27

 

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