7. Tag (2015)

Gleichgültigkeit ablegen

 

Schrifttext (Lk 16, 19-29)

In jener Zeit sprach Jesus: Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leiden kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte. Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel… Als der Reiche starb … und in der Unterwelt … qualvolle Schmerzen litt, rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir. Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören.


Impuls

Gleichgültigkeit ist eine egoistische Haltung, die
uns die Ränder der Gesellschaft ignorieren lässt, die blind und unsensibel ist angesichts des Leids und
der Not der anderen. Für den Gleichgültigen sind
die, die am Rande stehen, außerhalb seines Blickfeldes,
er interessiert sich nicht „für ihre Probleme,
für ihre Leiden und für die Ungerechtigkeiten, die
sie erdulden…“ Papst Franziskus, Botschaft zur österlichen Bußzeit 2015. Der Gleichgültige hat nur sein Leben, sein Wohlergehen im Sinn, wenn es ihm gut geht, vergisst er jene, denen es nicht gut geht vgl. ebd. Papst Franziskus stellt mit klaren Worten den Missstand fest, dass sich „um einen Lebensstil vertreten zu können, der die anderen ausschließt, … eine Globalisierung der Gleichgültigkeit entwickelt [hat]. Fast ohne es zu merken, werden wir unfähig, Mitleid zu empfinden gegenüber dem  schmerzvollen Aufschrei der anderen, wir weinen nicht mehr angesichts des Dramas der anderen, noch sind wir daran interessiert, uns um sie zu kümmern, als sei all das eine uns fern liegende Verantwortung, die uns nichts angeht.“ EG 54

Bei seinem Besuch auf der  Mittelmeerinsel Lampedusa im Juli 2013 hat er die Gleichgültigkeit noch deutlicher anprangert, als er in seiner Predigt sagte: „Die Wohlstandskultur, die uns an uns selber denken lässt, macht uns unempfindlich gegen die Schreie der anderen; sie lässt uns in Seifenblasen leben, die schön, aber nichts sind, die eine Illusion des Nichtigen, des Flüchtigen sind, die zur Gleichgültigkeit gegenüber den anderen führt, ja zur Globalisierung der Gleichgültigkeit … Wir haben uns an das Leiden des anderen gewöhnt,  es betrifft uns nicht, es interessiert uns nicht, es geht uns nichts an! … Die Globalisierung  der Gleichgültigkeit macht uns alle … zu Verantwortlichen ohne Namen und Gesicht.“

„Die Gleichgültigkeit gegenüber dem Nächsten und gegenüber Gott ist eine reale Versuchung  auch für uns Christen“, so Papst Franziskus in seiner Botschaft zur österlichen Bußzeit 2015. Aber Gleichgültigkeit ist mit dem Evangelium unvereinbar. Deshalb sind wir als Kirche aufgerufen, sie abzulegen und an die Ränder der menschlichen Existenz zu gehen. Papst Franziskus wünscht, „dass die Orte, an denen sich die Kirche zeigt – unsere Gemeinden und besonderes unsere Gemeinschaften –, zu Inseln der Barmherzigkeit im Meer der Gleichgültigkeit werden“. Papst Franziskus, Botschaft zur österlichen Bußzeit 2015 „Wer barmherzig sein will“, sagt er, „braucht ein … Herz, das sich vom Heiligen Geist durchdringen und auf die Wege der Liebe führen lässt, die zu den Brüdern und Schwestern  führen.“ Die Liebe Gottes, so der Heilige Vater, bricht die „tödliche Selbstverschließung der  Gleichgültigkeit“ auf. Durch die Liebe können die vielen Formen der Gleichgültigkeit und der Hartherzigkeit überwunden werden.


Fürbitten

Christus will für alle ein Leben in Fülle. Bitten wir ihn:

• Wir bitten um die Gabe der Tränen über unsere Gleichgültigkeit, über die Grausamkeit in der Welt, in uns und in denen, die in Politik und Wirtschaft wichtige Entscheidungen  treffen:

A: Herr, erhöre uns.

• Wir bitten um Betroffenheit über das Leid anderer für die, die es sich bequem gemacht haben, die sich im eigenen Wohlstand eingeschlossen und ihr Herz betäubt haben:

A: Herr, erhöre uns.

• Wir bitten um Verzeihung für die Gleichgültigkeit so vielen Schwestern und Brüdern  gegenüber, die in Not und Bedrängnis sind und am Rande der Gesellschaft leben:

A: Herr, erhöre uns.


Gebet

Barmherziger Gott, du bist ein mitfühlender und mitleidender Gott. Bilde unser Herz nach dem Herzen deines Sohnes, damit wir uns nicht in uns selbst verschließen, sondern uns  vom Heiligen Geist auf die Wege der Liebe führen lassen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.


Gedanke für den Tag

„Da sprach der Herr
zu Kain: Wo ist dein
Bruder Abel?“ Gen 4,9

 

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