Christi Himmelfahrt (2015)

An die Ränder gehen

 

Schrifttext (Apg 1,8-11)

Jesus sagte zu seinen Jüngern: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde. Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.“


Impuls

„An die Ränder gehen!“ dieser Aufruf von Papst
Franziskus taucht in der letzten Zeit immer wieder auf und ist sozusagen zu einem geflügelten Wort geworden, wenn von der Erneuerung der Kirche die Rede ist. Was aber ist damit gemeint? An welche Ränder sollen wir als Kirche gehen? In der Rede, die der damalige Erzbischof von Buenos Aires, Kardinal Jorge Mario Bergoglio in der Versammlung der Kardinäl wenige Tage vor seiner Wahl zum Papst 2013 gehalten hat, sprach er davon, dass die Evangelisierung der Daseinsgrund der Kirche ist. Sie sei „aufgerufen, aus sich selbst herauszugehen und an die Ränder zu gehen. Nicht nur an die geografischen
Ränder, sondern an die Grenzen der menschlichen Existenz: die des Mysteriums der Sünde, die des Schmerzes, die der Ungerechtigkeit, die der Ignoranz und die der fehlenden religiösen Praxis, die des Denkens, die jeglichen Elends.“ Wenn die Kirche nicht aus sich selbst herausgehe, um das Evangelium zu verkünden, kreise sie um sich selbst und werde krank. Der nächste Papst solle ein Mann sein der aus der Betrachtung Jesu Christi und aus der Anbetung Jesu Christi der Kirche helfe, „an die existenziellen Enden der Erde zu gehen.“

Papst Franziskus nimmt in seinen Ansprachen immer wieder darauf Bezug. Die Osterfeierlichkeiten am Gründonnerstag nach seiner Wahl hat er mit einem Aufruf zu einer Neuorientierung der Kirche begonnen. Die Kirche müsse „an die Peripherie“ gehen,
sagte er, sie dürfe nicht zu einer Glaubensverwalterin werden. In seinem Apostolischen Schreiben EVANGELII GAUDIUM (EG, zu Deutsch: „die Freude des Evangeliums“ oder „die Freude über das Evangelium“) über die Verkündigung des Glaubens in der Welt von heute, das Papst Franziskus im November 2013 veröffentlichte, stellt der Aufruf, an die Ränder zu gehen eine zentrale Perspektive dar. Es ist eine Art Programmschrift zur Kirchenreform und wir werden in dieser Novene immer wieder darauf zurückkommen.

„An die Ränder gehen“– in gewisser Weise werden wir auch heute, am Fest Christi Himmelfahrt, dazu aufgerufen. In der Apostelgeschichte ist davon die Rede, dass die Apostel unverwandt zum Himmel emporschauten, wohin Jesus aufgefahren war. Ihnen wird gesagt: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“Apg 1,11. Man möchte hinzufügen: Trauert nicht Vergangenem nach, verliert keine Zeit! Brecht auf und geht an die Ränder! Dort sollt ihr den Himmel erfahrbar machen.


Fürbitten

Auch heute ergeht an uns der Aufruf, an die Ränder zu gehen und bei den Menschen zu sein, die am Rande leben. Darum lasst uns Gott bitten:

• Öffne die Herzen der Menschen für alle, die am Rande der Gesellschaft leben:

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

• Erneuere die Kirche im Geist des Evangeliums:

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

• Gib allen Christen den Mut, sich der konkreten Wirklichkeit zu stellen und nicht Vergangenem nachzutrauern:

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


Gebet

Gott, du Vater aller Menschen, lass uns immer wieder neu deinen Ruf hören, damit wir nicht nur zum Himmel emporschauen, sondern bereit sind, uns im Geist des Evangeliums für Menschen in Not einzusetzen. Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn. Amen.


Gedanke für den Tag

„Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ Apg 1,11

 

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