5. Tag (2016)

Schwäche wagen

Impuls

„Ich habe mein Leben in der Hand, und ich kann alles erreichen, was ich will.“ Das ist ein Satz, den sicher jeder schon gehört oder auch gesagt hat.

Auf jemand anderen angewiesen zu sein, fällt nicht leicht und ist eine Herausforderung, die wir möglichst vermeiden wollen. Aber bin ich nicht eigentlich ein ganzes Leben lang auf andere angewiesen? Zu Beginn des Lebens wird dies ganz deutlich, denn für ein kleines Kind ist die Anwesenheit der nährenden und liebenden Gegenwart der Mutter unbedingt notwendig. Aber auch in unserem alltäglichen Leben machen wir diese Erfahrung, denn wir können nicht zugleich Automechatroniker, Friseur, Juristin, Arzt oder Polizistin sein.

Diese Abhängigkeiten geben eine Ahnung davon, dass ich mir nicht selbst genüge. Ich kann nicht alles aus eigener Kraft schaff en, weil ich mich nicht selbst gemacht habe. Es verlangt Demut, dies anzuerkennen. Mein Leben ist ein Geschenk, ein Geschenk der Liebe Gottes, der mir den Lebensatem eingehaucht hat. Nur von ihm, unserm Schöpfer her, können wir unser Leben, unser Menschsein verstehen. Ohne ihn fehlt etwas Fundamentales in unserem Leben.

Jungen Menschen wird häufig suggeriert, dass nur der ganz taffe, coole Typus Erfolg im Leben haben kann und dass ich meine schwachen und hilfebedürftigen Seiten verstecken muss.

Manchmal wird – etwa in sozialen Netzwerken – auch gnadenlos der Schwache und Unbeholfene bloßgestellt und lächerlich gemacht. Dabei weiß jeder um seine verletzbaren Seiten.

Stärken und Schwächen gehören im Menschen auf das Engste zusammen. Häufig ist meine Stärke auch meine Schwäche. So sagen wir es dann auch im Volksmund: Ich habe eine Schwäche für jemanden oder für etwas.

Was mich besonders anzieht, was meine Kräfte lockt, was mich kreativ werden lässt, und woran ich wachse, das macht mich auch verletzbar. Ich öffne mich – und werde angreifbar.

Deshalb braucht es genau hier den Heiligen Geist, der eine Immunkraft ist gegen die zerstörerischen Angriffe des Bösen. Er hilft mir, mich trotz aller Gefährdungen nicht hinter einer coolen Maske zu verstecken, sondern die Wahrheit und die Liebe zu wagen. Dann brauche ich nicht nach außen hin perfekt zu sein. Dann kann ich Schwäche wagen – Schwäche aus Liebe.


Schrifttext (Ps 139, 13-16a)

Herr, du hast mein Inneres geschaffen, mich gewoben im Schoß meiner Mutter.

Ich danke dir, dass du mich so wunderbar gestaltet hast.

Ich weiß: Staunenswert sind deine Werke.

Als ich geformt wurde im Dunkeln, kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde, waren meine Glieder dir nicht verborgen.

Deine Augen sahen, wie ich entstand, in deinem Buch war schon alles verzeichnet.


Bitten

Gepriesen sei Gott, in dessen Hand unser ganzes Leben liegt. Zu ihm lasst uns beten:

Hilf uns, denjenigen zu verzeihen, die uns verletzt haben.

Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu. (GL 645.3)

Gib uns die Kraft, unsere Stärken und Schwächen anzunehmen.

Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu.

Gib uns die Stärke und Demut, Hilfe anzunehmen.

Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu.


Gebet

Gott, unser Schöpfer, wir haben uns nicht selbst gemacht, sondern du hast uns aus Liebe ins Leben gerufen. Du bist wie ein Arzt, der all die Dinge heilen will, die in unserem Leben nicht gesund sind. Sende uns deinen Geist, der uns in allen Angriffen des Bösen zur Seite steht. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Amen.


Persönliches Zeugnis

Paula Andrea Mora, 28 Jahre, aus Kolumbien

„Katholik zu sein, ist eine der besten Erfahrungen in meinem Leben: Man entscheidet sich, die Radikalität des Evangeliums zu leben, und zwar nur deshalb, weil man Gott wirklich begegnet ist.

Ich traf Gott vor mehr als 18 Jahren, als ich noch ein Kind war, und seitdem empfinde ich tiefe Liebe zu Ihm.

Mein Glaube und die Liebe Gottes haben mir Stärke gegeben, verschiedene Situationen, Schwierigkeiten und sogar Momente zu meistern, in denen mein Leben scheinbar gegen mich war.

Der Glaube an Gott ist wirklich ein großes Abenteuer. Ihn zu empfangen und nach seinen Worten zu leben, bedeutet manchmal, gegen den Strom zu schwimmen.

Aber Er gibt uns Seine Liebe, Seinen Frieden und die Bereitschaft, Verfolgung aus religiösen Gründen zu ertragen. Es ist es wert, unserem Herrn zu folgen.

Nichts in der Welt füllt unser Leben so wie Gott.“