9. Tag (2016)

Gott die Treue halten

Impuls

Irgendjemand hat einmal gesagt, ein jeder Mensch habe nur ein einziges wirkliches Meisterstück anzufertigen und letztlich abzugeben, nämlich das eigene Leben. Das müsse er selbst tun, hier gebe es keine Vertretung. Ob dieses Meisterstück dann perfekt sei, ob es allen Schönheits- und Tauglichkeitskriterien entspreche, oder ob es schwere Macken, Ecken und Kanten habe, das alles sei am Ende nicht entscheidend. Hier zähle auch keine Note. Einzig entscheidend sei, dass man die Meisterprüfung seines Lebens – irgendwie – bestehe. „Bemüht euch mit allen Kräft en, durch die enge Tür zu gelangen“, ruft auch Jesus uns zu (Lk 13,24).

Wir wissen nicht, welche Herausforderungen auf unserem Lebensweg noch auf uns warten. Wir wissen nicht, ob wir allem gewachsen sein werden. Und so beten wir eindringlich zum Heiligen Geist, der in uns atmet, die Fäden des Lebens webt und uns den Weg in die Vollendung weist: „Hilf uns, hilf deinem Volk auf seinem Weg durch die Zeit, das Leben zu meistern und so zu bestehen, dass wir letztlich ‚des Heils Vollendung‘ sehen dürfen.“

In diesem Zusammenhang können wir auch eine etwas eigentümliche Bitte im Vaterunser betrachten: „Und führe uns nicht Versuchung“. Diese Bitte kann man schnell falsch verstehen. Klar ist, dass Gott uns nicht selbst versucht. Das kommt allein vom Versucher, von der Macht des Bösen. So lesen wir schon im Jakobusbrief: „Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott kann nicht in die Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selbst niemand in Versuchung. Jeder wird von seiner eigenen Begierde … in Versuchung  geführt.“ (Jak 1,13f) Warum wird im Vaterunser nicht nur darum gebetet, dass wir in der Versuchung standhaft bleiben, sondern dass uns Gott nicht in eine solche Situation hineinführe? Wie ist das gemeint? Vielleicht verstehen wir es besser, wenn wir an das Evangelium denken, wie der Geist Jesus in die Wüste führte und er dort vom Teufel versucht wurde.

Hier geht es nicht um irgendwelche Verlockungen zum Bösen, sondern um das eine Entscheidende: um die Treue zur eigenen Berufung. Sich nicht von der Grundentscheidung für ein Leben gemäß dem Willen Gottes abbringen lassen, das ist das einzig Wichtige und Wesentliche! Darum beten auch wir mit dem Vaterunser : „Herr, wir wissen, dass unser Glaube, unser Leben immer wieder vor Erprobungen steht. Das ist unvermeidlich. Daran können wir auch wachsen. Aber bitte führe uns nie in die Situation einer Versuchung, die unsere Kräfte überschreitet, in der wir die Treue zu dir und zu uns selbst verraten könnten.“ Wir bitten Gott darum: „Lass uns an unserer Berufung festhalten und dir, unserem Schöpfer, in dieser Treue, die eine Frucht des Heiligen Geistes ist (vgl. Gal 5,22), das Meisterstück unseres Lebens zurückgeben. Rüste uns aus mit den Gaben deines Geistes, ohne die wir in der Versuchung nicht bestehen können! Sende uns den Geist, der uns in die Freude der Vollendung führt!“


Schrifttext (Röm 8, 18-19.21)

Schwestern und Brüder, ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.


Fürbitten

Lasst uns beten zu Jesus Christus, der uns zur Freiheit der Kinder Gottes befreit:

Lass uns unsere eigene Berufung erkennen.

Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu. (GL 645.3)

Stärke den Glauben aller, die um deines Namens willen verfolgt werden.

Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu.

Führe unsere Verstorbenen zur ewigen Freude in der Gemeinschaft mit dir.

Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu.


Gebet

Gott, unser Vater, du willst, dass alle Menschen gerettet werden. Sende deinen Heiligen Geist auf uns herab, damit wir die Herausforderungen unseres Lebens meistern und mit der ganzen Schöpfung die Fülle des Heils erlangen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Amen.


Persönliches Zeugnis

Viktorija Erjavec, 29 Jahre, aus Varaždin in Kroatien

„Ich bin Sozialpädagogin aus Leidenschaft und bis jetzt habe ich immer an Schulen gearbeitet. Neben dem Beruf, der für mich mehr bedeutet als Geld zu verdienen, weil ich die Arbeit auch Möglichkeit verstehe, mich in die Gesellschaft einzubringen, engagiere ich mich ehrenamtlich. Seit zehn Jahren betreue ich Grundschüler an meinem Wohnort. Außerdem arbeite ich schon seit fünf Jahren als Freiwillige im Weltjugendtags-Team in der Mediengruppe mit. Selber glücklich einen Job zu haben, macht es mich traurig, dass es für die meisten jungen Leute zu einem Luxus geworden ist, eine Stelle zu finden. Es ärgert mich, dass gebildete Leute ihr Geld nicht in ihrem Land verdienen können. Ich teile den Wunsch der Bevölkerung, sich von der eigenen Hände Arbeit ernähren zu wollen. Ich selber würde aber auch versuchen, im Ausland einen Job zu finden. Noch gebe ich mir und meinen Fähigkeiten eine Chance in meiner Heimat. Wenn das Leben auch manchmal schwierig ist, so gibt es doch in meinem Heimatland noch andere Werte, die uns stärken und die über allem Geld stehen. Ich glaube auch an Familienwerte und denke, dass es Zeit ist, dass die Werte des Lebens wieder ihre verdienten Stellenwert zurückbekommen.“