Christi Himmelfahrt (2016)

Sehnsucht nach dem Licht

Impuls

Wir tragen in uns die Sehnsucht nach dem Licht. Wie die Pflanzen richtet sich alles in uns auf das Licht aus, auf die Wärme der Strahlen, die unsere Haut berühren, auf die Helle des Lichtes, das nicht nur unsere Augen, sondern auch unseren Geist erleuchtet. Wir brauchen solche Strahlen des Lichtes, die die Verhängnisse unseres Lebens durchdringen können. Wir brauchen die Kraft des Geistes, der die dunklen Momente durchbrechen kann, unsere Nächte zerreißt und Licht bis in die Abgründe und verborgene Winkel hineinstrahlen lässt.

Das ist unser Glaube: Christus ist das Licht der Welt. Sein Geist hat die Kraft, selbst die Todesnacht zu erleuchten. Sein Leben ist stärker als alle Macht der Finsternis. Er hat uns den Himmel geöffnet, den Zugang zum Schöpfer und Vater aller Dinge frei gemacht.

Und doch erscheint Gott in unserer Welt häufig wie verhüllt, als habe er uns mit der Himmelfahrt Christi verlassen. Bis zum Pfingstfest müssen die Jünger Jesu in dieser Ungewissheit ausharren. Sie tun es, wie uns die Apostelgeschichte sagt, „im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Licht Mutter Jesu, und seinen Brüdern“ (Apg 1,14). Sie richten sich miteinander auf das Licht aus. Mit ihnen wollen auch wir uns mitten in den Schatten unserer Welt, mitten in den Fragen, Nöten und Unsicherheiten gerade auch der vielen jungen Menschen, die ohne Orientierung und ohne Perspektive sind, im Gebet dem Geist Gottes öffnen. Wir rufen: „Komm herab, du Geist des Herrn, zerreiße all die Wolken in unserem Leben, dringe durch die Finsternisse unserer Zeit! Erleuchte die Welt mit den Strahlen des Lichts!“ Wir rufen in dem Wissen, dass der Herr uns nicht als Waisen zurücklässt, dass sein Tröster nahe ist, dass die lebenserweckende Kraft des Geistes schon wirkt – wie die leisen Sonnenstrahlen am Morgen, die die Finsternis unaufhaltsam in die Flucht schlagen. Seit frühchristlicher Zeit hat sich die Kirche im Gebet nach Osten, dem Aufgang der Sonne, ausgerichtet. So wollen auch wir uns in dieser Novene Christus, dem „aufstrahlenden Licht aus der Höhe“ (Lk 1,78) zuwenden– und im Gebet und in der Liebe vereint mit unseren Schwestern und Brüdern im Osten Europas, um den Heiligen Geist bitten. Möge er insbesondere alle jungen Menschen, die sich auf der Schattenseite des Lebens fühlen, mit göttlichem Licht, mit Hoffnung und Zuversicht erfüllen.


Schrifttext (Jes 9, 1-3.5-6b)

Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf. Du erregst lauten Jubel und schenkst große Freude. Man freut sich in deiner Nähe, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird. Jeder Stiefel, der dröhnend daher stampft, jeder Mantel, der mit Blut befleckt ist, wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Seine Herrschaft ist groß, und der Friede hat kein Ende. Auf dem Thron Davids herrscht er über sein Reich; er festigt und stützt es durch Recht und Gerechtigkeit, jetzt und für alle Zeiten.


Fürbitten

Lasst uns beten zu Jesus Christus, der in den Himmel aufgefahren ist:

Stärke unseren Glauben an deine Wiederkunft.

Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu. (GL 645.3)

Sende du uns den Heiligen Geist, den Tröster, der die Finsternisse des Lebens erhellt.

Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu.

Erleuchte die Menschen, die kein Licht im Dunkeln sehen.

Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu.


Gebet

Herr Jesus Christus, du bist Mensch geworden, um die Dunkelheit der Welt mit deinem Licht zu erleuchten. Schenke uns das feste Vertrauen auf deine bleibende Gegenwart und sende uns die Verheißung des Vaters: den Geist, der unser Leben erleuchtet. Darum bitten wir dich, der du lebst und herrschst in Ewigkeit.

Amen.


Persönliches Zeugnis

Elena Bogdan, 32 Jahre, aus Weißrussland

Der Glaube ist eine besondere Gabe, mit der mich Gott von Kindheit an beschenkt hat. Ich bin in eine gläubige katholische Familie hineingeboren. Verschiedene Ereignisse in meinem Leben haben dazu geführt, dass der Glaube an den dreieinigen Gott meine bewusste Entscheidung gewesen ist. Der Aufbau einer engen Beziehung zu Gott erfordert Wissen, Willen, Offenheit, Stärke, Bereitschaft und vieles weitere, und auch die Erfahrung anderer Menschen. Die Kirche hilft mir, die Wahrheit über Gott, über mich selbst und Andere und über die uns umgebende Welt zu erkennen. Das ist außergewöhnlich verlockend und erweckt eine Faszination in mir. Ich sehe keine Alternative für mich, denn es gibt sie einfach nicht. Ein Leben außerhalb der Kirche scheint mir sehr oberflächlich. Der Weltjugendtag versichert und schafft perfekte Bedingungen zur geistlichen Entwicklung. Bei solchen Treffen wirkt Gott ganz deutlich! In Madrid und Rio habe ich Erfahrungen seiner liebenden Berührungen und Sorge gemacht. Der WJT ist eine Zeit besonderer Gnaden für alle. Es lohnt sich, diese einzigartige Zeit in der Kirche zu erleben. Darum fahre ich nach Krakau.