Pfingsten (2016)

Feuer der Liebe

Impuls

„Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis. In ihm hat alles Bestand…“ (vgl. Weish 1,7) – mit diesem Vers beginnt die heilige Messe am Pfingstfest. Im Psalm 104 wird die Allmacht des Schöpfers großartig ausgedrückt: „Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaff en, und du erneuerst das Antlitz der Erde.“ (Ps 104,30)

Nicht der Kampf ums Überleben, sondern der Geist Gottes wohnt demnach im Ursprung aller Dinge. Dieser Schöpfungsoptimismus macht nicht blind für die Macht des Bösen. Er ist keine rosarote Brille, die uns von allem Bösen freispricht, sondern im Gegenteil: er schärft den Blick für das Kranke, das Kaputtmachende, das in der Wurzel Zerstörerische, Misstrauen Säende, Lebensmut tödlich Verletzende. Auch das drückt der Psalm anschaulich aus: „Verbirgst du dein Gesicht, sind sie verstört; nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin und kehren zurück zum Staub der Erde.“ (Ps 104,29)

Deswegen brauchen wir den Geist Gottes, den Geist Jesu Christi, der selbst bis in die Abgründe verletzten Vertrauens, in die Abgründe von Angst und Gewalt hinabgestiegen ist, um uns vom Himmel her Gottes Kraft zu senden. Er allein hat die Macht, wirklich bis in die Tiefen unserer Seele, unserer Hoffnungslosigkeiten, unserer Verzweiflung hinabzusteigen, um das Gute, das im innersten Kern jedes Menschen wohnt, frei zu setzen: um uns zur Freiheit der Kinder Gottes zu erlösen, um uns zur Liebe, die sich selbst bis zur Feindesliebe wagt, zu befreien.

Der Geist lässt uns in vielen Sprachen reden, denn die Sprache der Liebe kann jeder verstehen. Junge Menschen, ob im Osten oder Westen, wachsen heute in einer global verbundenen Welt auf, in der jedoch immer wieder neue abgründige Risse, schier unlösbare Konflikte, menschenverachtende Ausgrenzungen und Gegensätze entstehen. Manchmal reicht ein kleiner Funke, um Verheerendes anzurichten.

Anders dagegen wirken die Flammen des Geistes: Sie zündeln nicht und spielen nicht mit der Angst des Menschen. Sie öffnen die Grenzen und Herzen, heilen Verletzungen und führen zur Einheit. Sie entzünden in uns das Feuer der Liebe und der Solidarität mit allen Menschen, insbesondere zu den Schwachen und Armen. Der Geist Gottes ist es, der uns den wahren Weg zur globalen Solidarität weist, denn in ihm erkennen wir uns alle als Brüder und Schwestern des einen Vaters im Himmel.


Schrifttext (Apg 2, 1-4)

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.


Fürbitten

Lasst uns beten zu Jesus Christus, der an Pfingsten den Heiligen Geist über die Jünger ausgegossen  hat:

Lenke durch deinen Geist die Pläne der Mächtigen und Einflussreichen.

Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu. (GL 645.3)

Stehe allen bei, die sich um den Frieden auf der Erde bemühen.

Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu.

Gib allen Kranken und Betrübten neue Kraft.

Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu.


Gebet

Allmächtiger Gott, auch heute willst du die Welt in deinem Geist erneuern. Am Pfingsttag hast du Maria und den Aposteln den Heiligen Geistes gesandt. Erfülle die ganze Erde mit den Gaben des Heiligen Geistes. Gewähre auch uns diese Gnade, damit wir allen Menschen von deiner Liebe Zeugnis geben können. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Amen.


Persönliches Zeugnis

Kristina Cuturić, 26 Jahre, Jugendarbeiterin in Sarajevo, will sich der Korruption nicht beugen

„Der Aufdruck auf meinem T-Shirt ‚Trust no one‘ ist mehr als eine Floskel. Andernorts würde man die Aufforderung, niemandem zu trauen, bestimmt ironisch verstehen. Hier in Bosnien ist es ernst gemeint. Ich habe Jura studiert, doch eine Stelle als Juristin zu finden, ist ausgeschlossen. Es sei denn, ich wäre bereit, unter der Hand 5.000 Euro für eine Vermittlung zu bezahlen. Aber in solch einem korrupten System will ich nicht arbeiten. Ich habe für ein soziales Jahr in Hardehausen bei Paderborn gelebt: An Deutschland gefällt mir die Selbstverständlichkeit, mit der die Menschen Regeln  akzeptieren. Wer bei uns in eine Kontrolle gerät, bezahlt die Polizisten einfach und fährt weiter. Die Gesetze in unserem Land gelten eben nur auf dem Papier. Korruption und Perspektivlosigkeit sind der Grund, weshalb meine Freunde Bosnien verlassen. Umso wichtiger war für mich die persönliche Begegnung mit Papst Franziskus. Im Gegensatz zu unseren Politikern sagt er, was er denkt und tut, was er sagt. Diese Haltung will ich in der Jugendarbeit vermitteln.“