Pfingsten (2008)

Hinführung

Wenn wir von Vollendung sprechen, geht es um das Ziel der Heilsgeschichte. Und diese Vollendung durch Gott übersteigt jede menschliche Hoffnung.   Die  Schöpfung erhält in Christus und durch Christus ihren neuen Höhepunkt, ihr neues Ziel. Er ist in der Schöpfung und für die Schöpfung „alles und in allem“. Damit wird auch der Mensch in seiner Freiheit „end-gültig“ durch Gott und in Gott vollendet. Deshalb stehen diese Überlegungen über den Gottesgeist der Vollendung auch am Ende unserer Renovabis-Novene.

Schriftworte

„Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte. (Gen 2,2) Was für Gott und die Schöpfung gilt, gilt auch für den einzelnen Menschen. So für Simeon: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden, denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel. (Lk 2,29-31) Es gilt auch für den Gottmenschen Jesus Christus: „Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er, es ist vollbracht, und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf. (Joh 19,30) Die Vollendung geschieht nicht nur in der Geschichte des Menschen, sondern auch in der Geschichte der Menschheit: „Die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit. Denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten. (Joh 4,23 f.)

Darum kann Paulus schreiben: „Bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält – ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem, durch alle und in allem ist. (Eph 4,3-6) Diese Vollendung in Gott geschieht durch Christus: „Ihr gehört Christus und Christus gehört Gott. (1 Kor 3,23) „Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung: Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt. Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden. Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung. (Röm 18,18-24)

Meditation

Was der Heilige Geist der Vollendung in einzelnen alten Menschen bewirkt, zeigen Beispiele aus der Ukraine und aus Polen. Pater Nikola Shavarin wurde 1915 im Gebiet von Ternobyl in der Ukraine geboren, trat 1936 ins Priesterseminar ein, unterbrach seine Ausbildung 1939, nachdem die vorher polnische Westukraine nun zur Sowjetunion gehörte, setzte unter der deutschen Besatzung 1941 die Priesterausbildung fort und wurde 1944 zum Priester geweiht. Nach Rückkehr der Sowjetmacht begann die Verfolgung der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche, ihre Priester wurden gezwungen, zur staatlich kontrollierten Russisch-Orthodoxen Kirche überzutreten. Anstatt seine eigene Kirche zu verraten, zog Pfarrer Shavarin es vor, in Ternobyl als Buchhalter in einem staatlichen Kontor zu arbeiten. Er betätigte sich aber zunächst weiter als Priester im Untergrund, das heißt, er taufte in Privatwohnungen und hielt andere Gottesdienste dieser Art. Im März 1950 erfolgte die Verhaftung und Deportation ins Gebiet von Tomsk, wo er als Holzfäller und Lastenträger eingesetzt wurde. 1957 kam er durch eine Amnestie frei und in die Ukraine zurück. Er lebte bis zu seiner Pensionierung nur von Gelegenheitsarbeiten. Dabei war er weiterhin im Untergrund als Priester tätig, kümmerte sich unter anderem um den Priesternachwuchs in geheimen Vorlesungen. Seit der Legalisierung der Griechisch-Katholischen Kirche in der Ukraine hält er nunmehr offen die Gottesdienste in der Bischofskirche in Ternobyl. In den letzten Jahren noch lehrte er am Seminar der Redemptoristen in Lemberg Latein, Griechisch und Altslawisch.

Optimismus, Lebensmut und Einsatz für andere lernte Eugeniusz Niedojadlo in Auschwitz durch Pater Maximilian Kolbe kennen. Eugeniusz war vielleicht der letzte noch lebende ehemalige Häftling, der in Auschwitz mit Pater Maximilian Kolbe zusammen war. In Krakau starb er 2007 86-jährig: „Als junger Pfadfinder bin ich kurz nach dem Abitur in Tarnow verhaftet worden und kam mit dem ersten Transport am 14. Juni 1940 nach Auschwitz. Man verleugnete unsere Menschenwürde und sprach uns alle menschlichen Rechte ab. Am 28. Mai 1941 kam Maximilian Kolbe als Gefangener zu uns ins Lager. Er war völlig ausgezehrt, aber während viele nur noch ihr Ende erwarteten, war Kolbe ganz anders. Seine Stimme war ganz ruhig und fest, seine Augen strahlten Güte und Nächstenliebe aus. Trotz strengen Verbots sprach er mit uns, nahm uns die Beichte ab und ermunterte uns zum Durchhalten. Pater Kolbe hat uns Mithäftlingen immer wieder gesagt: „Selbst hier in Auschwitz dürft ihr eure Feinde nicht hassen. Hass zerstört den, der hasst, mehr noch, ihr sollt eure Feinde lieben. Durch Pater Kolbe lernte ich Auschwitz mit anderen Augen zu sehen. Plötzlich sah ich gute Menschen, die sich für andere einsetzten, frei von jedem Egoismus.“ Im Maximilian-Kolbe-Werk setzte sich Eugeniusz für den Weg der Versöhnung zwischen Deutschen und Polen ein. So schrieb er: „Ich bin mir bewusst, es müssen noch viele Bausteine aufeinander gesetzt werden, bis der Friedensdom vollendet sein wird. Wir wollen gemeinsam dazu ein Körnchen beitragen. Daraus lässt sich Sinn und Genugtuung für das Leben schöpfen.“ Wenn Hass sich in Liebe verwandelt, entsteht Frieden. Im Geist der Vollendung hat Eugeniusz in Gott und durch Gott sein Leben vollendet.

Fürbitten

Heiliger Geist, du Geist der Vollendung. Du hast uns durch diese Novene begleitet. Wir bitten dich, vollende nun auch unser Gebet:

Dass diese Novene uns und den Menschen in Mittel-, Ost-und Südosteuropa zum Segen werde.                                                                                                                                                                            – Wir bitten dich, erhöre uns.

Dass wir in gläubiger Geduld die Ankunft des Herrn für uns und die Welt erwarten.                  – Wir bitten dich, erhöre uns.

Dass uns der Friede geschenkt werde und auch wir das Unsere dazu tun.                                       – Wir bitten dich, erhöre uns.

Dass vielen Menschen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa das Jahr über durch unser Gebet und durch unsere Spenden und Opfer geholfen werde.                                                                           – Wir bitten dich, erhöre uns.