2. Tag (2008)

Hinführung

Gottes Geist wirkt in der christlichen Liebe, auch der organisierten Caritas, die deshalb Auftrag und Gabe an die Bedürftigen ist: „Wo Nächstenliebe ist, da ist Gott“. Das Symbol christlichen Dienstes am Nächsten wird im Abendmahlsgottesdienst am Gründonnerstag in der Fußwaschung deutlich (Joh 13,1-15): „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt.“ Erwartet wird deshalb die personale und persönliche Tat der Nächstenliebe. Ihr gemeinschaftlicher Aspekt ist die Solidarität der Menschen unter-einander, besonders in der Kirche. Der Geist treibt so zum Dienst am Gemeinwohl. Zur Zeit Jesu war die Heilige Familie bei der Herbergssuche (Lk 2,7) und auf der Flucht nach Ägypten heimatlos (Mt 2,14). Heute sind es Vertriebene, Migranten, Flüchtlinge und Menschen, die Asyl suchen. Ihnen allen gilt die Verheißung von Psalm 74,21 f: „Lass den Bedrückten nicht beschämt von dir weggehen, Arme und Gebeugte sollen deinen Namen rühmen. Erheb‘ dich, Gott, und führe deine Sache.“

 Schriftworte

Das Gebot der Liebe haben wir von Gott: „Wer Gott Liebt, soll auch seinen Bruder Lieben. (1 Joh 4,21) Das heißt, die Liebe zu Gott bewirkt auch Liebe zu den Schwestern und Brüdern. „Der König wird den zu seiner Rechten versammelten Schafen antworten: ,Amen, ich sage euch, was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40) Wir lieben also den Menschensohn Jesus Christus in unseren Mitmenschen: „Deshalb wollen wir, solange wir noch Zeit haben, allen Menschen Gutes tun, besonders aber denen, die mit uns im Glauben verbunden sind. (Gai 6,10) Die caritative Tat am hilfsbedürftigen Armen ist Erkennungszeichen des Christen.

Meditation

Wie der Gottesgeist der Liebe zu Armen und Ausgegrenzten wirkt, zeigen Erfahrungen der Caritas der Griechisch-katholischen Diözese Blaj in Rumänien. Die Caritas hatte eine Aktion durchgeführt, um Freiwillige für ihre Projekte anzuwerben. Viele Menschen, die schon in Pension sind, meldeten sich, ehemalige Lehrerinnen oder Ärzte im Ruhestand. Sie sind nun verlässliche Träger der Caritasarbeit in den Pfarreien. Sie bleiben kontinuierlich und engagiert bei der Sache. Mit ihrer Hilfe betreibt die Caritas Armenküchen. Dabei zeigt sich auch viel versteckte Armut, zum Beispiel von Pensionären, deren Renten nicht ausreichen, darunter auch ehemalige Professoren. Sie schämen sich oft ihrer Lage. Ein Professor zum Beispiel wartet immer bis zum Schluss der Suppenverteilung, sodass er fast heimlich in die Armenküche gehen kann, um die Reste zu erbitten, denn im Winter reicht die Rente gerade, um die Gasrechnung für die Heizung zu bezahlen, nicht aber für die Nahrung. Auch Suppenküchen in Russland, etwa in Sankt Petersburg oder in Irkutsk in Sibirien, unterstützen Obdachlose, besonders auch alte Menschen. Auf den Straßen stehen außerdem oft arme Menschen, die einen Bund Petersilie oder ein einziges Ei zum Kauf anbieten. Sie müssen sich mit den paar Kopeken, die sie auf diese Weise verschämt erlösen, über Wasser halten. Da kommt einem die Witwe von Sarepta (1 Kön 17,12) in den Sinn, die von Elija verheißen bekommt, dass Mehltopf und Olkrug nicht versiegen -aber Elija findet sich nicht auf den Straßen Russlands!

Fürbitten

Wir beten zu Gott, dem Heiligen Geist der Liebe, der besonders den armen und ausgegrenzten alten Menschen nahe ist.

Geist der Liebe, schärfe unseren Blick für Hilfsbedürftige, für die Not und die Einsamkeit des Alters und für die Armut auf unseren Straßen und in unseren Städten.                                   – Wir bitten dich, erhöre uns.

Geist der Liebe, schenke Hoffnung unseren Armen, Alten, Ausgegrenzten, Vergessenen, Einsamen, den Migranten und den Abschiebehäftlingen.                                                                        – Wir bitten dich, erhöre uns.

Geist der Liebe, stehe den Verlierern der Wirtschaftsreformen, den Langzeitarbeitslosen, besonders in Russland und in Südosteuropa, bei und gib uns die Kraft und den Mut, ihre Nöte nicht nur zu sehen, sondern auch zu ihrer Linderung beizutragen.                                           – Wir bitten dich, erhöre uns.