6. Tag (2008)

Hinführung

Gott ist das Leben und hat sich als solches in Jesus Christus offenbart. Den Menschen ist das Leben von Gott geschenkt. Es ist die Grundlage unserer Existenz. Unser Leben bedeutet zugleich Selbstbesitz (Individualität) und Fremdbeziehung (Abhängigkeit von anderen). Der Mensch hat Verantwortung für die Gestaltung des eigenen Lebens. Darin liegt die Bedeutung seiner Lebensführung und des Gebrauchs der Freiheit, in der er sein Leben mit anderen teilt. Das aus seiner Lebenserfahrung gewonnene Wissen um diese Zusammenhänge schenkt vielen alten Menschen Reife, Besonnenheit, ja Weisheit. Solchen Menschen geht es darum, Dinge und vor allem Ideale weiterzugeben, stark zu sein und Gott ergeben, wo sich Beschränkungen zeigen. Damit dies gelingt, gilt es, die eigenen Grenzen zu erkennen und doch die vorhandenen Möglichkeiten auszukosten, sich wesentlichen Werten zuzuwenden in innerer Distanz und in Würde, die nicht aus der Leistung, sondern aus dem Sein kommt.

Schriftworte

„Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem.“ So wurde der Mensch zu einem Lebendigen Wesen.(Gen 2,7) Jesus antwortet den Sadduzäern: „Habt ihr nicht gelesen, was Gott euch über die Auferstehung der Toten mit den Worten gesagt hat: der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Er ist doch nicht der Gott der Toten, sondern der Gott der Lebenden. (Mt 22,31 f.)

Und Paulus schreibt an die Korinther: „Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen. Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. (1 Kor 15,19-22)

Jesus verheißt der Samariterin am Jakobsbrunnen: „Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben, vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ (Joh 4,14) Gott garantiert den Lebenswert des alten Menschen: „Du sollst vor grauem Haar aufstehen, das Ansehen eines Greises ehren und deinen Gott fürchten. Ich bin der Herr.“ (Lev 19,32)

Auch die Älteren haben Pflichten, wie Paulus betont: „Die älteren Männer sollen nüchtern sein, achtbar, besonnen, stark im Glauben, in der Liebe, in der Ausdauer. Ebenso sollen die älteren Frauen würdevoll in ihrem Verhalten, nicht verleumderisch und nicht trunksüchtig sein. Sie müssen fähig sein, das Gute zu lehren, damit sie die jungen Frauen dazu anhalten können, ihre Männer und Kinder zu lieben, besonnen zu sein, ehrbar, häuslich, gütig und ihren Männern gehorsam, damit das Wort Gottes nicht in Verruf kommt. (Tit 2,2-5)

Meditation

Wie der Heilige Geist des Lebens alte Menschen zum Wesentlichen führt, zeigt sich nach dem Zeugnis von Schwester Paula in Lemberg bei einem ehemaligen Häftling, der blind ist, weil ihm die Augen in der Gefangenschaft ausgestochen wurden. Täglich nimmt er mit seiner Frau am Gottesdienst teil und trotz seines Schicksals strahlt er viel Lebensfreude aus. Ein anderes Beispiel von Schwester Margret, ebenfalls aus Lemberg in der Ukraine, beschreibt eine alte Frau auf dem Lande: „,Frau Tatjana‘ wurde 1927 als elftes Kind einer ukrainischen Familie unweit von Novojaworiwsk in einem Dorf in der Westukraine geboren. Als Fünfzehnjährige wurde sie von den Deutschen verschleppt und musste auf einem Bauernhof in Deutschland hart arbeiten. Zurückgekehrt heiratete sie und brachte drei Kinder zur Welt. Als ihr Mann von einem Geisteskranken aus dem Dorf ermordet wurde, stand sie allein mit ihren Kindern da.

Es war eine sehr schwere Zeit, aber ihr Gottvertrauen hat ihr geholfen, all‘ das durchzustehen. Dieses Gottvertrauen und ihre tiefe Frömmigkeit gab sie an ihre Kinder und vor allem auch an ihre Enkelkinder, für deren Erziehung sie zuständig war, weiter. Heute lebt die ganze Familie auf engem Raum zusammen. Es gibt kein Wasser und keine Toilette im Haus. Erst seit kurzer Zeit existiert eine Gasleitung im Ort. Ihre Enkeltochter sagt über Frau Tatjana: ,Meine Oma war ihr ganzes Leben eine starke und mutige Frau und das gibt mir Mut, meine heutigen Schwierigkeiten zu bestehen. Ich habe oft zugesehen und gehört, wie sie gebetet hat. Wie sie ihren treuen Glauben durch diese schweren Zeiten hindurch gelebt hat, ist für mich einzigartig. Sie ist für mich lebendige Geschichte. Aber meine Oma war immer für uns da, wenn wir aus der Schule heim kamen, wenn wir krank waren oder wenn uns etwas Freude gemacht hat. Irgendwie war meine Oma immer eine Säule in unseren familiären Beziehungen. Heute ist sie alt und krank. Sie hat oft nicht einmal genug Geld, um die nötigen Medikamente zu kaufen. Wir sollten uns ein Beispiel nehmen an unseren alten Menschen, die mit so viel Fleiß etwas aufgebaut haben und in einem Leben mit so vielen Entbehrungen doch zu einem erfüllten Leben gelangt sind und Zufriedenheit und Zuversicht ausstrahlen, trotz allem, was sie erlebt haben.'“

Fürbitten

Heiliger Geist, du Geist des Lebens für alle Menschen, auch für die alten, zu dir kommen wir mit unseren Bitten:

Begeistere mit deiner Kraft, die am Leben zweifeln oder verzweifeln.                                              – Wir bitten dich, erhöre uns.

Heiliger Geist des Lebens, lass‘ uns das Leben schätzen und schützen, auch gerade das „unproduktive“, ungeborene, schwache und kranke.                                                                               – Wir bitten dich, erhöre uns.

Heiliger Geist des Lebens, wir bitten dich um Kraft und um den Mut für Menschen, ihre Kinder anzunehmen, für alle Mütter, die wiederholt abtreiben, wie dies in der Ukraine üblich ist, weil diese „Methode“ billiger ist.                                                                                                  – Wir bitten dich, erhöre uns.

Heiliger Geist des Lebens, wir bitten dich für die Menschen, die andere lebensverachtend „behandeln“, und wir bitten dich für die Menschen, die in Gefangenschaften ohne Rücksicht auf ihre Würde missbraucht werden.                                                                                          – Wir bitten dich, erhöre uns.