8. Tag (2008)

Hinführung

Frömmigkeit gibt jedem das ihm Zukommende. So meint sie auch Ehrung und Verehrung gegen Gott und gegen Menschen, Güte und Mitleid. Diese Frömmigkeit ist Hingabe an Gott in Ehrfurcht und Demut, Gottgefälligkeit, Treue, Redlichkeit, Gerechtigkeit. Es ist eine personale Haltung, die zugleich auf Handeln ausgerichtet ist. Sie ist zunächst individuell, aber sie ist auch gemeinschaftsbezogen, als Weltfrömmigkeit offen für andere und anderes.

Schriftworte

Was Gott erwartet, beschreibt der Psalmist: „Bring Gott als Opfer dein Lob und erfülle dem Höchsten deine Gelübde. Rufe mich an am Tag der Not, dann rette ich dich und du wirst mich ehren. (Ps 50,14 f.) Es geht also nicht um äußere Opfer, Brandopfer, Stiere, Böcke, Wild und Vögel. Es geht um Treue und um Gottesbindung. Jeremias beschreibt diesen Bund: „Spruch des Herrn. Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein.“(Jer 31,33) Paulus beobachtet auch, wie selbst die Eucharistie auf Äußerlichkeiten reduziert wird und verurteilt das: „Was ihr bei euren Zusammenkünften tut, ist keine Feier des Herrenmahls mehr. „(1 Kor 11,20)            „ …Übe dich in der Frömmigkeit! Denn körperliche Übung nützt nur wenig, die Frömmigkeit aber ist nützlich zu allem: Ihr ist das gegenwärtige und das zukünftige Leben verheißen. Dieses Wort ist glaubwürdig und wert, dass man es beherzigt. „(1 Tim 4,8 f.)

„Alles, was für unser Leben und unsere Frömmigkeit gut ist, hat seine göttliche Macht uns geschenkt; sie hat uns den erkennen lassen, der uns durch seine Herrlichkeit und Kraft berufen hat.“ (2 Petr 1,3)

„Wer Opfer des Lobes bringt, ehrt mich, wer rechtschaffen lebt, dem zeig‘ ich mein Heil.“ (Ps 50,23) Es geht um diese Grundhaltung vor Gott, eine umfassende Antwort auf Gottes Liebe, die Verbindung von Kult und Gerechtigkeit – nicht um äußeres Tun.

Meditation

Der Heilige Geist der Frömmigkeit führt Menschen zu einem Alter in Harmonie und Glauben. Das beschreibt Sr. Fidelis CJ am Leben ihrer Eltern Josef und Katharina Cocianga aus Luizi-Calugara in der Moldauregion Rumäniens, in der Nähe der Stadt Bacau. Josef ist 82, Katharina 78 Jahre alt. Sie sind seit 55 Jahren verheiratet. Katharina war bereits zwei Jahre Kandidatin bei den Notre-Dame-Schwestern, als 1948 das Verbot des klösterlichen Lebens kam. Sie kehrte ins Dorf zurück und wollte zunächst nicht heiraten. Josef wünschte sich schon immer eine Frau mit tiefem Glauben. Aus der glücklichen Ehe gingen zehn Kinder hervor. Zwei davon starben an Kinderlähmung, die damals im Dorf grassierte. Die anderen acht wurden groß, alle haben einen Beruf und sind tüchtig. Drei Töchter sind Ordensschwestern. Die Familie wohnt im letzten Haus von Luizi-Calugara am Berg. Das Haus ist 180 Jahre alt. Wasser und ein Telefon ließ ein Sohn erst vor etwa drei Jahren einrichten. Bis dahin holten sie ihr Wasser am Dorfbrunnen oder entnahmen es der Regentonne. Josef arbeitete als Elektriker, Katharina war im Kommunismus wie alle Frauen zur Feldarbeit für den Staat verpflichtet. Die Familie lebte bescheiden, aber für das Notwendigste war immer gesorgt. Nun sind die Eltern alt und leben allein im Haus. Nur ein Sohn wohnt in der Nähe im Tal. Sie sind zufrieden und glücklich, bestellen ihren Garten, halten einige Hühner und haben so immer etwas für die Enkel und für Arme, die nie unbeschenkt weggehen. Im Sommer stehen sie um vier Uhr auf, denn die Frühmesse, bei der sie nie fehlen, ist bereits um fünf Uhr. Im Winter halten sie sich aneinander fest und ziehen Socken über die Schuhe, um den Weg hinunter in die Kirche zu schaffen. Die Beschwerden des Alters ertragen sie, ohne zu jammern. Ihr Glaube trägt sie. Sie freuen sich aneinander, an ihren Kindern und Enkeln, von denen einer vor vier Jahren zum Priester geweiht wurde. Alle Sorgen ihrer großen Familie empfehlen sie dem Herrn. Das ist ihre Frömmigkeit. Wie Philemon und Baucis schauen sie dem Herrn entgegen und haben nur den einen Wunsch, dass sie zusammen vor ihn treten dürfen.

Fürbitten

Heiliger Geist, du Geist der Frömmigkeit, zu dir kommen wir mit unseren Bitten:

Dass wir Gott suchen mehr als Annehmlichkeiten, sichtbaren Erfolg und Anerkennung.         – Wir bitten dich, erhöre uns.

Dass wir in allen bedrückenden Alltagsgeschäften die innere Verbindung mit Gott wahren  im  Wissen, dass er nahe ist.                                                                                                                                 – Wir bitten dich, erhöre uns.

Dass wir unsere Frömmigkeit nicht ersticken durch scharfe Bemerkungen und nicht ins Unglaubwürdige verkehren durch unechte Äußerungen der Frömmigkeit.                                    – Wir bitten dich, erhöre uns.

Dass wir unsere Lebensweise aus dem Glauben immer wieder auf Authentizität überprüfen und überprüfen lassen.                                                                                                                                          – Wir bitten dich, erhöre uns.