9. Tag (2008)

Hinführung

Das Thema wird nahe gelegt durch den Eingangsvers der Eucharistiefeier: „Die Apostel verharrten alle im Obergemach einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.“ (Apg 1,14)

Gebet ist die Verbindung mit Gott im Leben des Menschen, die bewusst vollzogen wird und die so zum Zeugnis und Beispiel auch vor den Menschen wird. Zuerst geht es dabei um den Lobpreis Gottes, dann auch um Dank und Bitte, um den Ausdruck des Verlangens nach Gott und der Hingabe an ihn, bis hin zur mystischen Verbindung mit dem Schöpfer und Herrn. Die Psalmen und die Propheten, insbesondere Jeremia, bieten zahlreiche Beispiele. Gebet wird auch zur Verbindung des Menschen mit anderen Menschen um Gottes Willen, so dass wir „Menschen für andere“ werden und eine solche Haltung konsequent durchhalten können.

Schriftworte

„Herr, höre mein Gebet, vernimm mein Flehen, in deiner Treue erhöre mich in deiner Gerechtigkeit. (Ps 143,1) Aus dieser Gebetshaltung wächst Nähe zu Gott: „Ich aber bleibe immer bei dir, du hältst mich an meiner Rechten.“ (Ps 73,23)

Dieses Vertrauen gilt besonders in Zeiten der Not und Bedrängnis und der Schuld: „Gott sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen.“ (Ps 51,3) So kann das Gebet aufsteigen: „Behüte mich Gott, denn ich vertraue auf dich. (Ps 16,1)

„Einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, erzählte Jesus dieses Beispiel: Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens. Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden. (Lk 18,9 -14) „So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können. Und Gott, der die Herzen erforscht, weiß, was die Absicht des Geistes ist: Er tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein. (Röm 8,26 f.)

Meditation

Schwester Joranda berichtet aus Weißrussland über die Gebetskraft älterer Menschen: „Eine ältere Frau eilt frühmorgens zur Bushaltestelle, um zu ihren kleinen Enkelkindern zu fahren, deren Eltern zur Arbeit müssen. Sie will aber nicht, dass man sie abholt, obwohl dies für sie bequemer wäre. Sie möchte, dass die Eltern länger schlafen. ,Das ist meine Mama, die nie darauf geachtet hat, wie sie sich selber fühlte und immer für andere gelebt hat. Ich weiß, dass sie die Kraft, ein Mensch für andere zu sein, aus der Quelle ihrer Verbindung mit Gott im Gebet schöpft. Glaube, Hoffnung und Liebe bestimmen ihr Leben mit Gott und gründen in diesem Leben aus Gott.‘ Während ich drei Jahre in Weißrussland, damals ein Teil der ehemaligen Sowjetunion, gearbeitet habe, hatte ich vielmals Gelegenheit, die Kraft des Glaubens älterer Menschen zu erleben. Tatsächlich hat diese Kraft des Glaubens eigentlich wegen dieser älteren Menschen dort überdauert. Die Kinder, denen ich Religionsunterricht erteilte und deren Eltern seinerzeit in der Schule einer permanenten kommunistischen Solidarisierung unterzogen wurden, denen man das Recht auf Glaubensunterweisung vorenthielt, und die die heiligen Sakramente in entlegenen Ortschaften oder im Geheimen empfangen mussten, lernten Katechismus und Abendgebet von ihren Großmüttern und Großvätern. Oft wurden sie von den Babushki erzogen, wenn die Ehen ihrer Eltern auseinanderbrachen oder der Alkohol das Familienleben belastete. Die Großeltern waren es, die am Sonntag ihre Enkelkinder in die Kirche gebracht haben, denn die Eltern, wenn es sie denn gab, mussten oft arbeiten oder zeichneten sich durch religiöse Gleichgültigkeit aus.“

Ein anderes Beispiel ist Jadwiga aus Nowy Dwor, die sich aufopferungsvoll um ihren Mann kümmert. Er ist nach der Amputation seiner beiden Beine auf den Rollstuhl angewiesen ist. „Drei Jahre lang habe ich sie fast täglich in der Kirche in der heiligen Messe gesehen“, so Schwester Joranda, „obwohl sie die Last des ganzen Haushaltes zu tragen hatte und das Feld bestellen musste. Sie selbst hat schon eine Operation des Rückgrats hinter sich und arbeitete, bevor sie in Rente ging, mit ihrem Mann in Murmansk als Gipserin, Malerin und Fliesenlegerin auf dem Bau. Als ich sie eines Tages im Herbst besuchte, traf ich sie auf dem Feld an, wo sie auf den Knien Kartoffeln ausgrub, für sich selbst und für ihre Tochter, die mit ihrer Familie in Sankt Petersburg wohnt. An zwei Orten knien ältere Menschen -beim Gebet und oftmals bei der Arbeit für andere. Sie knien also um Gottes und der Menschen willen, um der beiden Werte willen, für die der alte Mensch, der vom Geist geleitet wird, lebt. Der Geist des Gebetes, der Heilige Geist, hält diese Menschen im Leben und verweist sie zugleich auf den Mitmenschen.“

Fürbitten

Gott, Heiliger Geist, du Geist des Gebetes. Du sprichst in uns mit unsagbaren Worten. Höre unsere Bitten:

Dass wir bei unserem Beten den Blick weltweit öffnen und immer wieder für Anliegen beten, die über den Tellerrand unserer eigenen Erfahrungswelt hinausgehen.                            – Wir bitten dich, erhöre uns.

Dass wir jeden Monat die vom Papst gesegneten Anliegen des Gebetsapostolats auf- nehmen und so für die Weltkirche und die Weltmission unseren Teil der Verantwortung mittragen.                                                                                                                                                                    – Wir bitten dich, erhöre uns.

Dass wir nicht plappern wie die Heiden, sondern den himmlischen Vater in der Wahrheit und in der Stille finden und anbeten.                                                                                                              – Wir bitten dich, erhöre uns.

Dass wir nicht nur bitten in unserem Gebet, sondern auch danken und die Größe des Vaters preisen.                                                                                                                                                           – Wir bitten dich, erhöre uns.