Pfingsten (2010)

Schriftlesung

Lesung aus dem Buch Genesis.

Alle Menschen hatten die gleiche Sprache und gebrauchten die gleichen Worte. Als sie von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Land Schinar und siedelten sich dort an. Sie sagten zueinander: Auf, formen wir Lehmziegel, und brennen wir sie zu Backsteinen. So dienten ihnen gebrannte Ziegel als Steine und Erdpech als Mörtel. Dann sagten sie: Auf, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel, und machen wir uns damit einen Namen, dann werden wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen. Da stieg der Herr herab, um sich Stadt und Turm anzusehen, die die Menschenkinder bauten.                                                                                                                                                                       Er sprach: Seht nur, ein Volk sind sie, und eine Sprache haben sie alle. Und das ist erst der Anfang ihres Tuns. Jetzt wird ihnen nichts mehr unerreichbar sein, was sie sich vornehmen. Auf, steigen wir hinab, und verwirren wir dort ihre Sprache, so dass keiner mehr die Sprache des anderen versteht. Der Herr zerstreute sie von dort aus über die ganze Erde, und sie hörten auf, an der Stadt zu bauen. Darum nannte man die Stadt Babel – Wirrsal -, denn dort hat der Herr die Sprache aller Welt verwirrt, und von dort aus hat er die Menschen über die ganze Erde zerstreut.

Meditation

Im Blick auf das Christus-Monogramm, das Chi-Rho, die griechischen Anfangsbuchstaben von CHRistos, dem mit dem Heiligen Geist gesalbten Gesandten Gottes, der da ist das Alpha und das Omega, betrachten wir den Pfingsthymnus der Ostkirche: Mit den Zungen fremder Völker, hast Du, Christus, neu ausgerüstet Deine Jünger, damit sie durch sie Dich,
den unsterblichen Logos und Gott verkündigten, der unseren Seelen das große Erbarmen gewährt.
Einst wurden die Sprachen verwirrt wegen des verwegenen Turmbaus. Jetzt aber werden sie mit Weisheit erfüllt wegen der Herrlichkeit der Gotteserkenntnis. Dort hat Gott die Sünder durch den Geist gerichtet, hier hat Christus die Fischer durch den Geist erleuchtet.
Einst wurde der Missklang für die Strafe zugerichtet. Jetzt wird der Zusammenklang zum Heil unserer Seelen erneuert. Licht ist der Vater, Licht ist der Logos. Licht ist der Heilige Geist, der mit feurigen Zungen die Jünger ausgesandt, durch welchen alle Welt erleuchtet wird, die heilige Dreiheit zu verehren. Als er hernieder stieg, die Sprachen zu verwirren, hat der Höchste die Völker zerteilt, als er des Feuers Zungen ausgeteilt, hat er alle zur Einheit gerufen. Und einstimmig preisen wir den Heiligen Geist.

Gebet

Gott, Heiliger Geist, einst hatten alle Menschen auf Erden eine einzige Sprache und einerlei Worte. Da sagten sie: auf, wir wollen uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis in den Himmel reichen soll, und wollen uns einen Namen schaffen, damit wir uns nicht über die ganze Erde hin zerstreuen. – Doch Du bist hinab gefahren und hast ihre Sprache verwirrt, so dass keiner mehr die Worte des anderen verstand. Und Du hast sie über die Erde zerstreut, so dass sie den Bau der Stadt aufgeben mussten.
Ebenso hast Du, Herr, in unseren Tagen die Vermessenheit und Selbstgerechtigkeit Deines Volkes gestraft. Wiederum bist Du vom Himmel hinab gefahren und hast unsere Sprache verwirrt, so dass keiner mehr die Worte des anderen versteht. Und Du hast uns über die Erde zerstreut. Ja, immer wieder zerstreust Du wegen unserer Sünden, die Deinen Namen tragen, und verwirrst Du unsere Sprache. Doch, Herr, Du strafst uns zum Heile, denn Du willst nicht den Tod des Sünders, sondern dass er lebe. Lass, wo die Sünde so groß geworden, Deine Gnade erst recht überreich hervortreten.
Du Geist der Weisheit, erfülle unsere verwirrten Sprachen mit Deiner Weisheit, dass wir mit ihnen Deine Kraft verkünden. Du Geist des Gerichtes, wandle das Urteil, dass in unserer Zerspaltung offenbar ist, gnädig um in Sühne und Bewährung durch ein Leben aus dem Glauben. Du Geist des Lichtes, erleuchte die Herzen, dass aus dem Missklang der vielen Stimmen die eine Stimme der Liebe werde. Lass die Herrschaft der Sünde, die verwirrt und zerstreut, gebrochen werden durch die Königsherrschaft der Gnade, die vereint und verbindet. Dir sei die Ehre in Ewigkeit. Amen.                                                                                       (nach Prälat Albert Rauch)