5. Tag (2010)

Schriftlesung

Aus dem Buch Exodus

Mose weidet die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb. Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht. Mose sagte: Ich will dort hingehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht? Als der Herr sah, dass Mose näher kam, um sich das an- zusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete, Hier bin ich. Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden. Dann fuhr er fort: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.
Ex 3,1-8

Meditation

Auf einer Grabtafel sehe ich nur ein Paar einfache römische Sandalen. Die Deutung findet sich im zweiten Buch Mose. Mose muss vor dem brennenden Dornbusch seine Schuhe ausziehen, ehe er zu der Gotteserscheinung hinzutreten darf. So sind auch wir aufgerufen, das Irdische, das Vergängliche, das Unvollkommene, vor allem alles Sündhafte abzustreifen, wenn wir Gott näher kommen wollen. Endgültig und radikal gilt das für die Sterbestunde, wenn die Schwelle des Todes heiliger Boden ist vor der Anschauung Gottes. Das aber ist immer wieder neu im Christenleben einzuüben.

Die Symbolik des Sterbens des alten Menschen und die Geburt des neuen Menschen in Christus ist im byzantinischen Ritus der Ordensprofess besonders eindrucksvoll: die Professen liegen während der Liturgie ausgestreckt am Boden und werden mit einem
schwarzen Tuch bedeckt als Zeichen des Sterbens für die Welt und die Sünde. Dankbar erbitten wir vom Geist Gottes, viele Menschen auf den Weg der Ordensversprechen von Armut, Keuschheit und Gehorsam zu führen – als Beispiel und Vorbild für die Christen auf dem Weg der Gebote zur Einübung des Loslassens.

Gebet aus der Koptischen Liturgie des Hl. Kyrillos

O Gott der Liebe, Du Geber der Eintracht, der Du uns zu unserem Besten einen Weg mit einem neuen Gebot durch Deinen eingeborenen Sohn gewiesen hast, dass wir einander lieben sollen, so wie Du uns, die Unwürdigen und Verirrten, geliebt und Deinen lieben Sohn für unser Leben und Heil dahin gegeben hast: wir bitten Dich, Herr, gib uns als Deinen Dienern zeit unseres Lebens hier auf Erden (ganz besonders und vor allen Dingen aber jetzt) einen Sinn, der den bösen Willen von einst vergangen sein lässt, ein reines Gewissen, lautere Gedanken und ein Herz voller Liebe für unsere Schwestern und Brüder.