6. Tag (2010)

Schriftlesung

Aus dem Johannes-Evangelium

Auch einige Griechen waren anwesend – sie gehörten zu den Pilgern, die beim Fest Gott anbeten wollten. Sie traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: Herr, wir möchten Jesus sehen. Philippus ging und sagte es Andreas. Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus. Jesus aber antwortete ihnen: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.
Joh 12,20-24

Meditation

Im Kreuzgang der römischen Kirche San Lorenzo fuori le mura befindet sich eine Grabplatte aus der darunter liegenden Katakombe der hl. Cyriaca, die in dieser Begräbnisstätte beigesetzt wurde, ebenso wie der hl. Märtyrer Laurentius. Die Tafel zeigt ein aufbrechendes Samenkorn, das sich in der Form eines Kreuzes erschließt. Der Halm wächst auf wie ein Lebensbaum, dessen Zweige nach oben weisen. Das Symbol des Lebensbaumes findet sich auch auf heidnischen Gräbern und Sarkophagen. Aber dort gehen die Zweige nach unten: das Leben ist beendet. Die Christen benutzen das gleiche Symbol, aber sie verändern die Aussage: das Leben geht weiter; ja, es fängt eigentlich erst an!
Wir dürfen das Samenkorn als Weizenkorn verstehen, weil Jesus sich selber als Weizenkorn bezeichnet, das in der Erde stirbt und so reiche Frucht bringt. Doch sind auch die Worte der frohen Botschaft Samenkörner, die in die Erde fallen und vielfältige Frucht bringen sollen. (Mt 13,8.23) Im Blick auf die früheren Länder des sog. Ostblocks stellen wir fest, dass die geistige Erneuerung sehr verschiedene Wege geht. Mancherorts erfolgt das Aufkeimen des religiösen Lebens sehr zaghaft. Gerade darum ist unser Gebet zum Heiligen Geist von besonderer Dringlichkeit. Christus ist in seinem Tod, in seinem Begräbnis und in seiner Auferstehung Vorbild und Hoffnung für uns. Er hat den Tod überwunden und schenkt uns neues Leben. Im Kreislauf der Natur ist uns klar, dass wir neues Korn nur ernten können, wenn die Samenkörner vorher ausgesät und in die Erde gesenkt werden. Jesus ermutigt uns durch seinen Geist, dass wir Vergleichbares erleben dürfen.

Gebet aus der Zwölf-Apostel-Lehre (Didache)

Gedenke, Herr, Deiner Kirche: Erlöse sie von allem Übel und vollende sie in Deiner Liebe. Sammle sie aus allen vier Winden und führe sie geheiligt zu Deinem Reiche, das Du für sie bereitet hast. Denn Dein ist die Macht und die Herrlichkeit in alle Ewigkeit.
(Vermutlich in Syrien, 1./2. Jahrhundert)