1. Tag (2011)

Besinnung

Verwüstet die Erde
ausgebeutet, geplündert, entleert
ausgepresst, vertrocknet, getötet

wirr die Erde
entgleist, aus dem Gleichgewicht geworfen
am Abgrund, totales Chaos

weil wir den Apfel gegessen
und immer noch essen
aus Gier nach immer mehr

weil wir alles auffressen müssen
alles unserer Habsucht unterordnen
alles konsumieren und vernichten

weil wir uns alles aneignen
alles zur Sache machen

ausverkauft ist alles
alles käuflich geworden
das Geheimnis dem gierigen Zugriff geopfert

ich bin nicht mehr ich
mir selbst ein Rätsel
und fremd im eigenen Land

der andere ist nicht mehr Antlitz
nicht Geheimnis, nicht Offenbarung
nicht Fleisch von meinem Fleisch

das Tier ist nicht mehr das Wesen,
dem ich den Namen zuhauche
fremd, entwürdigt
nicht Hilfe, nicht Begleiter
nicht Geschöpf, mit dem ich „Fleisch“
und Leben teile

Gewalt und Tod
Gefahr und Not
Wüste und Leere
Tohuwabohu, totales Durcheinander

doch über allem
die schöpferische Liebeskraft Gottes
der Heilige Geist,
der alles zum Kosmos gestaltet

Gebet

Gott,
wie sind wir dankbar für Deine Schöpfung!
für alles, was ist
das Gute, das Schöne, das Wahre

was schwimmt im Meer
was fliegt in der Luft
was über die Erde eilt
es kündet, entzückt und trägt
und nur, wer staunt und dankt,
versteht

wandle uns, schöpferischer Geist
damit wir sehen, was Du siehst
und bewahren, was Du geschaffen hast
wandle uns, schöpferischer Geist
damit dein Glanz fällt auf alles, was ist

das fließende Wasser, das sprießende Leben
das gackernde Huhn, den flackernden Stern
den heulenden Wolf, den streunenden Hund
den kriechenden Wurm,
das erwachende Murmeltier

ja, wandle uns, göttliche Kraft
und wir werden sein wie das Lamm
keine Gewalt anwenden
und Bruder und Schwester sein
all Deinen Geschöpfen