Pfingsten (2012)

Hinführung

Sieben Wochen lang feiert die Kirche das Fest der Auferstehung Jesu von den Toten. Fünfzig Tage nach Ostern, an Pfingsten (von griech. Pentecoste „der Fünfzigste“), erinnern sich die Christen an die Erfüllung der Verheißung, dass Jesus die Seinen nicht allein lassen, sondern ihnen, wenn sein irdisches Leben zu Ende ist, einen anderen Beistand geben wird. So ist das Pfingstfest gewissermaßen der krönende Abschluss der Osterzeit. Es zeigt uns,
dass Jesu Leben, sein leidvoller Tod, seine Auferstehung und Himmelfahrt für uns Fülle bedeuten. Ausgestattet mit „der Kraft aus der Höhe“ (Lk 24,49) sollen wir unser Leben gestalten im Sinne Jesu und in enger Verbindung mit ihm.

Lesung Apg 2,1–11

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

Betrachtungs-Impuls

Als Jesus weggegangen war, wussten die Jünger: Er lebt! Vierzig Tage hindurch war er ihnen nach seinem Tod erschienen und hatte vom Reich Gottes gesprochen. Er hatte ihnen geboten, in Jerusalem zu bleiben und auf die Erfüllung seiner Verheißung zu warten: den Empfang des Heiligen Geistes (vgl. Lk 24,49; Apg 1,4f). Nicht stumpf, schlafend, ohne Perspektive warteten sie, sondern – wie es in der Apostelgeschichte heißt: „einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern“ (Apg 1,14) – das heißt, aktiv und gemeinsam. Oftmals wissen wir nicht genau, was wir tun,
wie wir uns am besten verhalten sollen. Das Leben ist so kompliziert, selbst kleine Dinge sind zuweilen unüberschaubar.                                                                                                                   Das Zusammenleben in der Familie, der Ordensgemeinschaft, mit den Nachbarn, in der Gemeinde ist voller Spannungen. Das Verhältnis zu den Mitmenschen in nah und fern
– Verwandten, Arbeitskollegen, Angehörigen anderer Nationen und Kulturen – gestaltet sich nicht immer einfach. Wie häufig passiert es, da tappe ich trotz guter Absicht ins Leere, treffe ich nicht in die Seele eines anderen, rühre an Wunden, von deren Existenz ich keine Ahnung hatte. Wenn ich mich in solchen Situationen ratlos fühle, hilft mir zunächst nur eines: warten, aktiv warten, warten im Gebet. Und das bedeutet: Ich erinnere mich daran, was ich von Gottes Heil weiß, dann sage ich dem Herrn, wo ich Probleme habe – und dann warte ich. Das Beste ist, ich bete mit anderen zusammen. Auf diese Weise kann ich die Erfahrung machen, dass irgendwann in mich und in alle, die mitbeten, ein neuer Geist einströmt. Unsicherheit löst sich auf, kleinliche Interessen verflüchtigen sich. Auf einmal finde ich die richtigen Worte und kann mich verständlich machen.
Die Jünger Jesu erlebten am Pfingsttag Phänomene, die schon im Alten Testament als Anzeichen der Nähe Gottes beschrieben werden: Getöse, Sturm und Feuer! Plötzlich fühlten sie sich vom Heiligen Geist erfüllt. Hatten sie sich zuvor ängstlich eingesperrt (vgl. Joh 20,19), so überwanden sie jetzt ihre Furcht und verkündeten öffentlich die großen Taten Gottes, so dass Angehörige verschiedener Völker sie verstehen konnten. Der Geist gab ihnen ein, was zu reden und zu tun sei. Auch uns ist der Geist Jesu verheißen. Wie Jesus denkt und fühlt, wie er die Dinge löst, wie er mit uns umgeht, das soll in unser Inneres kommen. Davon redet das heutige Fest. Wir können nur beten: Komm, Heiliger Geist, erfülle unser Inneres, damit wir denken, reden und handeln im Sinne Christi.

Fürbitten

V: Lasst uns beten zu Gott, unserem Vater, der am Pfingsttag die Apostel Christi mit Heiligem Geist erfüllt hat:  Du hast Himmel und Erde geschaffen und willst durch Christus im Heiligen Geist alles erneuern; schaffe neu das Angesicht der Erde und schenke ihr dein Heil.
A: Sende aus deinen Geist und erneuere die Welt.

V: Du vereinigst Menschen aller Völker und Nationen durch die Taufe zur Gemeinschaft der Kirche; gib, dass die Glaubenden ein Herz und eine Seele sind.
A: Sende aus deinen Geist und erneuere die Welt.

V: Du offenbarst auch den Unmündigen deine Wahrheit; führe die Kinder zur Erkenntnis deiner barmherzigen Liebe.
A: Sende aus deinen Geist und erneuere die Welt.

V: Du hast den Heiligen Geist gesandt als Beistand und Trost in jeder Not, lass alle Armen deine Wohltaten erfahren.
A: Sende aus deinen Geist und erneuere die Welt.

V: Gott, unser Vater, wir danken dir, dass du uns berufen hast, Zeugen deiner Liebe zu sein. Wir wollen uns freuen und jubeln und dir die Ehre erweisen heute und allezeit.
A: Amen.


Lied: GL 245: „Komm, Schöpfer Geist“

Vater Unser

Segen