3. Tag (2012)

Hinführung

Viele Missverständnisse ranken sich um den Glaubenssatz von der Katholizität der Kirche. Ursprünglich ist „katholisch“ keine Konfessionsbezeichnung, sondern meint die allumfassende, weltweite Kirche, die den ganzen Glauben verkündet. Dazu wurde ihr der Heilige Geist gesandt, weil Gott „will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4).                                                                                          Wenn wir die vielen christlichen Gemeinschaften und Kirchen betrachten und um mancherlei Diskussionen und Streitigkeiten in unserer eigenen Kirche wissen, verstehen wir, dass die Katholizität der Kirche nicht in vollem Umfang verwirklicht ist, wo Spaltungen und Uneinigkeit bestehen.

Lesung Joh 17,6.11–19

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt. Aber jetzt gehe ich zu dir.                                          Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.

Betrachtungs-Impuls

Eins sollen die Menschen sein mit dem ewigen Vater-Gott, vor dem Bösen sollen sie bewahrt werden und am Heiligen sollen sie Anteil erlangen – und zwar alle. Das Wesen Gottes können wir nicht begreifen. Mit menschlichen Worten sprechen wir von ihm, unzureichend und dünn. Doch Jesus spiegelt uns mehr als nur in Worten etwas vom Wesen des Ewigen:
Er selbst ist Bild des Göttlichen. Seine Art,Mensch zu sein, seine Weise, vom Vater-Gott zu reden, und seine hingebende Liebe eröffnen uns den göttlichen Bereich. „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ (Joh 14,9) Mit ihm, dem Ewigen, sollen wir durch Jesus eins werden, und zwar so, dass davon auch unser Verhalten zueinander betroffen ist – und das Verhalten zu allen Menschen. An der Weise, wie wir miteinander umgehen, zeigt sich, ob wir tatsächlich mit dem Ewigen verbunden sind; denn „wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet“. (1 Joh 4,12)
Hier kommt das zweite Anliegen Jesu zur Sprache. Er bittet, dass seine Jünger vor dem Bösen bewahrt bleiben; denn noch ist die Welt nicht vom Bösen befreit, weltweit. Hier hinein sollen sie – das ist Jesu dritte Bitte – etwas von der Heiligkeit des Göttlichen spiegeln, dass sie das Anderssein der göttlichen Welt ausstrahlen. Das ist die dreifache Botschaft unseres Evangeliums:
Eins mit dem Vater sollen alle werden in jener Einheit, die Jesus uns eröffnet hat. Vor dem Bösen sollen sie bewahrt werden und etwas von der Heiligkeit des Allheiligen spiegeln, damit alle Welt erkennt: Jesus Christus will alle Menschen heimführen zu Gott, dem Vater. Darin erweisen sich die in die Welt gesandten Jünger Jesu als wahrhaft katholisch.

Fürbitten

V: Gott hört unser Gebet, egal in welcher Sprache und an welchem Ort dieser Erde wir uns an ihn wenden. Ihn bitten wir: Für die Nachfolger der Apostel, denen in besonderer Weise aufgetragen ist, allen Völkern das Evangelium zu verkünden: dass sie nicht müde
werden, sich um die Einheit der Kirche zu mühen. – Gott, du Heil aller Menschen:
A: Höre unser Gebet.

V: Für die Missionare, die nach immer neuen Wegen suchen, Menschen den Zugang zum Glauben zu eröffnen: dass ihnen die modernen Kommunikationsmittel zum segensreichen Wirken helfen. – Gott, du Heil aller Menschen:
A: Höre unser Gebet.

V: Für die Regierenden, die großen Einfluss haben auf die Wahrung der Menschenrechte: dass sie freie Religionsausübung ermöglichen und Verständnis aufbringen können für die Sendung der Kirche. – Gott, du Heil aller Menschen:
A: Höre unser Gebet.

V: Für die Gläubigen, die verschiedenen Riten und Ortskirchen mit je eigener Geschichte und Tradition angehören: dass sie durch die Glaubenserfahrungen der Mitchristen in aller Welt Bereicherung erleben. – Gott, du Heil aller Menschen:
A: Höre unser Gebet.

V: Guter Gott, wir setzen unsere Hoffnung allein auf dich. Erhöre unsere Bitten, die wir aussprechen im Heiligen Geist durch Christus, unsern Herrn.
A: Amen.


Lied: GL 640:  „Gott ruft sein Volk zusammen“

Vater Unser

Segen