5. Tag (2012)

Hinführung

„Null Toleranz“ hat die Welt in der Regel gegenüber einem Menschen, der etwas tut, was alle abscheulich finden. Kompromisslos muss auch die Kirche Böses und Sünde benennen und anprangern; sie muss aber ebenso gegenüber dem Sünder Gottes Erbarmen spürbar machen; denn sie bekennt im Heiligen Geist: „Ich glaube an die Vergebung der Sünden.“

Lesung Lk 15,18–24

Der (verlorene) Sohn sagt: Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. Dann brach er auf
und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.                                                                                                                       Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches
Fest zu feiern.

Betrachtungs-Impuls

Zu allen Zeiten gab und gibt es Fehlhaltungen und Handlungen, die Menschen einander nur schwer verzeihen. Doch die Botschaft des Evangeliums lautet: die Güte Gottes ist unendlich. Hier kommt eine Dimension ins Spiel, die alle menschlichen Grenzen sprengt und all unsere Systeme der Gerechtigkeit übersteigt. Jesus sagt uns: Der Ewige schaut auf jeden Menschen mit einem grundlegenden großen Wohlwollen, sogar dann, wenn er Falsches tut, wenn er dem Willen Gottes, den er im Heiligen Geist erkannt hat, zuwider handelt, seiner Bestimmung nicht entspricht, wenn er also – wie wir es theologisch ausdrücken – sündigt.                                                                                                                                Sobald ein Mensch sich wieder auf seine eigentliche Berufung besinnt, sobald er zurückkehrt vom falschen Weg, sobald er wieder in Beziehung zu treten versucht mit seinem Schöpfer, wird er von ihm angenommen, wie weit er sich auch zuvor entfernt haben mag. Dabei ist nicht vergessen, was da schief lief. Und die Folgen des sündhaften Handelns werden auch noch bleiben. Aber es steht nicht mehr zwischen dem Menschen und dem Vater-Gott; denn Gott sieht zum einen das Elend des Sünders und zum anderen seinen Willen zur Umkehr.                                                                                                                                  So können wir glauben: bei Gott gibt es Vergebung, auch für ein Versagen, das Menschen nicht so leicht verzeihen. Insofern ist Pfingsten aber auch ein sehr anspruchsvolles Fest, denn mit der Geistsendung werden die Jünger Jesu in die Verantwortung gerufen, ebenfalls Sünden zu vergeben. (vgl. Joh 20,22-23) Der Brief an die Epheser mahnt die Christen: „Beleidigt nicht den Heiligen Geist Gottes, dessen Siegel ihr tragt für den Tag der Erlösung… Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat.“ (Eph 4,30.32)
Die Güte des Vaters wird zwar beim Vergeben überdeutlich sichtbar, gilt aber immer und für alle; auch für jene, die sich nicht gerade als große Sünder empfinden. Jeder Mensch lebt vom Erbarmen des Ewigen. Deshalb ist es angemessen, dass wir Menschen uns dort, wo ein anderer, ein Sünder, uns aufregt oder schadet oder ungerecht begegnet, an das Erbarmen Gottes erinnern und versuchen, barmherzig zu sein, wie es unser himmlischer Vater ist (vgl. Lk 6,36). Als Beistand dazu ist uns der Heilige Geist gegeben.

Fürbitten

V: Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden. Zu ihm wollen wir beten: Für die Opfer menschlicher Sünde und Schuld, vor allem die Kinder, die Missetaten und Versagen ausgeliefert sind, um Trost und Stärke. – Gott, unser Vater:
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Für die Priester, die als Beichtväter in besonderer Weise Verwalter deiner vielfältigen Gnade sind, um Weisheit und persönliche Glaubwürdigkeit. – Gott, unser Vater:
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Für die Völker, Gruppen und einzelnen Menschen, die miteinander verfeindet und zerstritten sind: um Versöhnung und Frieden. – Gott, unser Vater:
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Für die Christen, die immer wieder der Umkehr bedürfen, um wahre Erkenntnis ihrer Sünden und deiner Barmherzigkeit. – Gott, unser Vater:
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Für alle, die ihre Sünden bereuen, um Verzeihung
und Mut zu einem neuen Anfang. – Gott,
unser Vater:                                                                                                                                                                A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Gott, unser Vater, du bist gütig und dein Erbarmen
währt ewig. Dafür danken wir dir jetzt und
allezeit.
A: Amen.


Lied: GL 250: „Komm, o Tröster, Heil’ger Geist“

Vater Unser

Segen