6. Tag (2012)

Hinführung

Nach christlicher Vorstellung sind der Glaube an die Auferstehung Jesu – der wie wir als Mensch auf der Erde gelebt hat – und der Glaube an die Auferstehung der Toten untrennbar mit einander verbunden. So dürfen wir hoffen, dass das umfassende Heil, welches Jesus in der Botschaft vom Reich Gottes verkündet hat, auch Vollendung des leibhaftigen Menschen nach dem Tod bedeutet. Durch seinen Geist schenkt Gott Leben – in dieser und der kommenden Welt.

Lesung Röm 8,11.14–17

Schwestern und Brüder! Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt. Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden.

Betrachtungs-Impuls

Jeder und jede von uns erinnert sich an Menschen, die gestorben sind: an Vater oder Mutter, Bruder oder Schwester, an Großeltern, an ein Kind, den Ehegatten, Freund oder Freundin. Bilder und Töne durchziehen zuweilen unser Inneres: wir sehen die Gesichter der Verstorbenen, nehmen ihre Gestalt und vertraute Gesten wahr, hören Worte, die sie gesprochen haben. So werden sie uns immer wieder gegenwärtig. Und wir merken: Die Toten sind ein Stück unseres Lebens und Denkens und Fühlens.
In uns leben sie weiter. Doch sind sie auch außerhalb unserer Erinnerung noch existent? Ihre Körper liegen verwesend im Grab; das aber, was diese Menschen ausmachte, ihr wirkliches Sein, ihre Seele, wo ist sie? Wenn wir Verstorbene in uns schon nicht einfach tot sein lassen, sondern sie mehr oder weniger präsent haben, um wie viel mehr Gott! Woran er denkt, das ist wirklich, es existiert. Gott behält alles in Erinnerung, was einen Menschen ausmacht und was in seinem irdischen Leben geworden ist, und er kann es in seinem Reich lebendig werden lassen.
Der ewige Vater hat alles erschaffen, um alles in seiner neuen Schöpfung eine Rolle spielen zu lassen. Wir kennen seinen Plan nicht, aber uns ist gesagt: Ihr seid darin vorgesehen. Das Gedenken an die Toten hilft uns, die Wirklichkeit unseres endlichen Daseins nüchtern und realistisch zu betrachten und dennoch eine Hoffnung zu haben: „Wenn Jesus – und das ist unser Glaube – gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit ihm zur Herrlichkeit führen.“ (1 Thess 4,14) Christus ist auferstanden und lebt im göttlichen Bereich. Wer sich ihm angeschlossen hat, der ist gleichsam „Miterbe“ der himmlischen Heimat (vgl. Röm 8,17).

Fürbitten

V: Zu Gott, der seinen Sohn von den Toten auferweckt hat, beten wir:  Für die Kranken und Behinderten: Schenke ihnen die Erkenntnis, dass ihr Leben und ihre Leiden nicht umsonst sind. – Gott des Lebens:
A: Höre unser Gebet.

V: Für die Sterbenden: Gib ihnen Zuversicht und Beistand in schweren Stunden. – Gott des Lebens:
A: Höre unser Gebet.

V: Für die Trauernden: Stärke ihre Hoffnung auf ein Wiedersehen mit den geliebten Verstorbenen. – Gott des Lebens:
A: Höre unser Gebet.

V: Für unsere Toten: Lass sie das verheißene Erbe erlangen. – Gott des Lebens:
A: Höre unser Gebet.

V: Gott, unser Vater. Durch deinen Geist schenkst du allem, was ist, Leben. Wir danken dir für deine Liebe und preisen dich jetzt und in Ewigkeit.
A: Amen.


Lied: GL 265: „Nun lobet Gott im hohen Thron“

Vater Unser

Segen