8. Tag (2012)

Hinführung

Da die allermeisten Christen in unserem Land als Kleinkinder getauft wurden, ist vielen nicht bewusst, welche Bedeutung dieses Sakrament für die christliche Existenz hat. Die Taufe ist nicht einfach ein „harmloses Ritual“, mit dem die Aufnahme in die Kirche wie die Mitgliedschaft zu einem beliebigen Verein begründet wird. Sie ist vielmehr einer erneuten Geburt „aus Wasser und Geist“ (vgl. Joh 3,5-8) vergleichbar, durch die man auf geheimnis- volle Weise an Tod und Auferstehung Christi Anteil erhält (vgl. Röm 6,3-4; Kol 2,12).

Lesung Mk 1,9–11

In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.

Betrachtungs-Impuls

Wir können kaum ermessen, was es für die frühen Christen bedeutet hat, zu erfahren, dass Jesus aus dem Wasser gestiegen ist und der Geist auf ihn herabkam. Im Hinblick auf die Schöpfungserzählung im ersten Buch Mose, war für sie klar: wie vor aller Zeit der Geist über dem Wasser wehte und Gott durch sein Wort die Welt erschuf, so stellt Gott nun seinen Sohn als Anfang einer neuen Schöpfung vor. Wasser hat eine dreifache Symbolik. Erstens: Wasser ist nötig, damit Leben existiert. Zweitens: Wasser hat chaotische Züge; denn wenn es über die Ufer tritt oder sich in Riesenwellen aufbäumt, zerstört es alles. Und drittens: Wasser reinigt, stellt also gleichsam wieder einen Urzustand her, wenn etwas verschmutzt ist.
Auch wir werden in der Taufe mit Wasser berührt. Das erinnert daran: Wir sind Schöpfung, dem Fleisch nach vergängliche irdische Wesen, geboren, um zu sterben. Doch zugleich spricht der Taufende ein Wort, das ankündigt, was Gott aus unserem Leben machen will: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Damit wird ausgedrückt: Wer an den dreifaltigen Gott glaubt, für den ändert sich etwas in seinem Urzustand. Es wird ihm die Vergebung der Sünden geschenkt und er wird Christus ähnlich. So ist er wie dieser eine neue Schöpfung (vgl. 2 Kor 5,17). Jesus, der „Erstgeborene der Toten“ (Kol 1,18), hat das Menschsein gelebt im Sinne der neuen Schöpfung. Wer sich ihm anschließt, der macht sein Leben zur Hingabe, zum Zeichen des Vertrauens und der Liebe.
So können die Getauften sagen: „Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn.“ (Röm 14,8)
Ursprünglich – die Ostkirchen haben diesen Brauch bis heute bewahrt – werden die Täuflinge sogar im Wasser untergetaucht, um symbolisch Sterben und Auferstehung nachzuvollziehen. So werden sie im Bad der Taufe von Sünde und Schuld gereinigt und gleichsam hineingetaucht in die Wirklichkeit unseres Gottes. In der Nennung von „Vater,
Sohn und Heiliger Geist“ ist unser Glaube am dichtesten zusammengefasst: Wir glauben an Gott, der am Anfang gesprochen und die Welt erschaffen hat; wir glauben an Gott, der Mensch geworden ist und uns erlöst hat; wir glauben an Gott, der uns zum neuen Leben in der Gemeinschaft mit ihm befähigt und die Kraft gibt, diesen Glauben zu bekennen.

Fürbitten

V: Zu Jesus Christus, den Gott als seinen geliebten Sohn geoffenbart hat, lasst uns beten:
Für die Männer und Frauen in leitenden Ämtern und Funktionen, die besondere Verantwortung tragen für die Weitergabe der Glaubens, dass sie neue Wege finden, das Evangelium zu verkünden und Spaltungen der Kirche zu überwinden. – Christus, höre uns.
A: Christus erhöre uns.

V: Für alle, die in der Osternacht die Taufe empfangen haben, dass sie die Gnade dieses Sakraments immer tiefer erfassen und aus ihr leben können. – Christus, höre uns.
A: Christus erhöre uns.

V: Für Eltern und Großeltern, Paten und Lehrer, die zuweilen selbst von Glaubenszweifeln geplagt werden, dass es ihnen gelingt, den ihnen anvertrauten Kindern gute Vorbilder einer christlichen Existenz zu sein. – Christus, höre uns.
A: Christus erhöre uns

V: Für die Menschen, die geprägt wurden durch atheistische Systeme und keinen Zugang zur Religion gefunden haben, dass sie etwas von der Freude erahnen, dir angehören zu dürfen, und den Weg zur Wahrheit finden. – Christus, höre uns.
A: Christus erhöre uns.

V: Gott, unser Vater, du willst, dass alle Menschen deine Stimme hören und gerettet werden, dafür danken wir dir und preisen dich alle Tage unseres Lebens.
A: Amen.


Lied: GL 635:  „Ich bin getauft und Gott geweiht“

Vater Unser

Segen