9. Tag (2012)

Hinführung

Im Gebet geschieht ein Zweifaches: Ein Mensch hört auf das Wort Gottes und erinnert all das, was im Laufe der Heilsgeschichte von Gott und seinem Reich kundgetan wurde. Sodann bringt er sein eigenes Leben ins Wort, um zu loben oder zu danken, zu bitten oder zu klagen. Er tut dies in der Überzeugung, dass Gott ihn hört. Doch gelegentlich fragt sich der Mensch, ob sein Gebet auch erhört wird.

Lesung Lk 11,9–13

In jener Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet, oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.

Betrachtungs-Impuls

„Bittet, dann wird euch gegeben, …“, sagt Jesus. Ist das wirklich so? Die Erfahrung scheint dagegen zu sprechen. So zweifelte ein Zeitgenosse etwa: „Ich habe gebetet, eine krebs- kranke Mutter möge ihren drei kleinen Kindern erhalten bleiben. Sie ist gestorben. Ich habe gebetet, der Sturm möge am Haus vorübergehen, ohne etwas zu zerstören. Er riss einen Baum aus und deckte das Dach ab.“ Auch Jesus hat den Vater am Ölberg gebeten: „Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber.“ (Mt 26,39). Der Kelch ging nicht vorüber. Er musste ihn trinken.
Wie steht es also mit unseren Bitten? Nach der Lehre Jesu dürfen wir annehmen: Gott ist zu uns wie ein guter Vater, der seinem Kind nur das Beste will. Gott hört uns, er erhört uns auch – aber nicht unbedingt in dem Sinn, wie wir uns dies gerade wünschen. Zuweilen antwortet er anders, als wir es erwarten. Wenn unsere Gebete nicht so erhört werden, wie wir uns das augenblicklich wünschen, brauchen wir nicht daran zu zweifeln, dass Gott uns hört. Vielmehr dürfen wir darauf vertrauen: Gott weiß besser als wir, was gut für uns ist. Darum sollten wir wie Jesus auch unseren Bitten stets hinzufügen: „…nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen“ (Lk 22,42).
Gott hat uns in der Taufe „als ersten Anteil am verheißenen Heil“ (1 Kor 1,22) den Geist geschenkt, von dem der heilige Paulus sagt, dass er sich unserer Schwachheit annimmt: „Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.“ (Röm 8,26) Dies ist der tiefste Grund unseres Glaubens an die Macht des Gebetes: in der Person des Heiligen Geistes betet Gott selbst in uns. Darum erhört Gott unsere Bitten so, dass es uns letztlich zum Besten, zu unserem Heil gereicht. So dürfen wir überzeugt sein: Was Gott uns gibt, ist gut für uns – selbst wenn wir es nicht sofort verstehen. Mit den Worten des Seligen Pater Rupert Mayer können wir somit beten: „Herr, wie Du willst, soll mir geschehn, und wie Du willst, so will ich gehn; hilf Deinen Willen nur verstehn.“

Fürbitten

V: In der Kraft des Heiligen Geistes rufen wir voll Vertrauen zu Gott, unserem Vater:  Für die Kinder und alle Katechumenen, dass sie gute Lehrmeister des christlichen Betens finden.
– Vater im Himmel:
A: Erhöre unser Gebet.

V: Für die Ordensleute, die ihr Leben ganz dem immerwährenden Gebet gewidmet haben, dass ihr Beten fruchtbar werde für das Heil der Welt. – Vater im Himmel:
A: Erhöre unser Gebet.

V: Für alle, die aus Enttäuschung und Glaubenszweifeln aufgehört haben, zu beten, dass in ihnen neues Zutrauen zu deiner Güte wächst. – Vater im Himmel:
A: Erhöre unser Gebet.

V: Für die notleidenden Menschen, besonders in Mittel- und Osteuropa, dass sie aus der Kraft des Gebets Trost und Hoffnung schöpfen. – Vater im Himmel:
A: Erhöre unser Gebet.

V: Ewiger Gott, erhöre unsere Bitten durch Christus, unsern Herrn.
A: Amen.


Lied: „Komm herab, o Heil’ger Geist“ (GL 244) oder „Komm Schöpfer Geist“ (GL 245), außerdem: „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ (GL 294).

Vater Unser

Segen