3. Tag (2014)

Mauern überwinden

 

Schrifttext (Apg 1,12-14)

Als Jesus in den Himmel aufgenommen war, kehrten die Apostel vom Ölberg, der nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück. Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus. Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.


Meditation

Novene 2014, Tag 3Die Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten ist keine einfache Zeit. Jesus Christus hat den Aposteln seinen Beistand, den Heiligen Geist, verheißen, doch noch ist er nicht auf sie herabgekommen. Noch müssen sie darauf warten. Noch erleben sie vor allem, dass sie jetzt auf sich selbst gestellt sind. Es gibt kein Zurück mehr. Zudem könnte es für sie gefährlich werden, ihren Glauben an Jesus Christus offen zu leben. In dieser Situation der Verlassenheit entschließen sie sich dazu, eng zusammenzurücken. Sie spüren, dass sie nur gemeinsam in der Lage sind, diese Spannung auszuhalten, die ihnen zugemutet ist: von einer Verheißung leben zu müssen, deren Erfüllung noch aussteht; dass sie nur gemeinsam in der Lage sind, ihrer Sehnsucht zu trauen.

Ist das nicht auch immer wieder unsere Situation? Wir wissen, dass uns der Heilige Geist gesandt ist, der uns und die ganze Erde erneuern will – und doch spricht täglich so vieles dagegen. Immer wieder sind wir in der Versuchung, uns von der Schwerkraft all dessen, was uns bedrückt, lähmen zu lassen. Da kann uns das Beispiel der Apostel Mut machen. Sie haben einander getragen und miteinander gebetet. Zusammen mit Maria und den Jüngerinnen und Jüngern Jesu haben sie ihrer Sehnsucht nach dem Kommen des Heiligen Geistes Raum gegeben.

So dürfen wir gewiss sein: Wo zwei oder drei im Namen Christi versammelt sind, wird er mitten unter ihnen sein in seinem Heiligen Geist. So ist Kirche entstanden, so entsteht und wächst sie auch weiterhin. Gott wird unserer Sehnsucht die Erfüllung nicht verweigern.


Fürbitten

Allmächtiger Gott, du hast die ersten Christen in Jerusalem zusammengeführt und ihnen die Sendung des Heiligen Geistes zugesagt. Zu dir rufen wir:

• Lehre die christlichen Gemeinden, die unter Vereinzelung leiden, nach dem Vorbild der frühen Christen zusammenzukommen und gemeinsam um den Beistand deines Heiligen Geistes zu beten. – Allmächtiger Gott:

A: Sende deinen Geist.

• Schenke den Menschen, die sich einsam und verlassen fühlen, deine tröstende Nähe. – Allmächtiger Gott:

A: Sende deinen Geist.

• Begleite die Christen, deren Glaube angefochten ist, durch Schwestern und Brüder, die sie im Gebet mittragen. – Allmächtiger Gott:

A: Sende deinen Geist.

Denn Du bist ein Gott, der sich unseren Bitten niemals verschließt. Dafür danken wir dir und loben dich heute und in alle Ewigkeit. Amen.


Gebet

Komm, o Tröster, Heilger Geist,
Licht, das uns den Tag verheißt.
Quell, der uns mit Gaben speist,

komm, und lindre unsre Last,
komm, gib in der Mühsal Rast,
komm, sei bei uns Armen Gast.

Glut, die unser Herz durchdringt,
Beistand, der zum Ziel uns bringt,
ohne den uns nichts gelingt,

halt uns, wo wir haltlos gehn,
rate, wo wir ratlos stehn,
sprich du, wo wir sprachlos flehn.

Hauch, der Leben uns verleiht,
lenk uns in der Erden Zeit,
führ uns hin zur Seligkeit.

Maria Luise Thurmair