8. Tag (2014)

Als neue Menschen leben

 

Schrifttext (Röm 6,3-5)

Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben. Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.


Meditation

Novene 2014, Tag 8Zur Freiheit hat Christus uns befreit (Gal 5,1). Mauern sind gefallen, Grenzen geöff net worden. Doch Freiheit braucht Gestaltung. Neue Verhältnisse allein machen noch keinen neuen Menschen. Es kommt darauf an, dass jede und jeder von uns sich wandelt und menschlicher wird. Dieser Erneuerung bedarf es zu allen Zeiten und in jeder Gesellschaft . Dabei sollen gerade wir Christen, die – wie Paulus sagt – auf Jesu Tod getauft sind, um mit ihm aufzuerstehen, „als neue Menschen leben“.

Was kann das bedeuten? Wenn wir uns auf Jesus Christus einlassen, geraten wir in das Kraftfeld einer Liebe, die uns unser eigenes Leben in einem neuen Licht sehen lässt. Wir sind nicht mehr einem blinden Schicksal ausgesetzt. Unser Leben ist geborgen in einer Liebe, von der uns nichts und niemand mehr trennen kann. Auch der Tod hat dann nicht mehr das letzte Wort.

Dies hat dann aber auch Folgen für unseren Auftrag in dieser Welt. Wir stehen dafür ein, dass es letzte, nicht hinterfragbare Normen gibt. Sie sind für uns in Gott begründet. Der Glaube an ihn engt nicht ein, er weitet. Er eröffnet einen Horizont, in dem Freiheit gelingen kann. Wir glauben, dass der Mensch umso freier wird, je mehr er sich an Gott bindet und seine Nächsten achtet. Und er kann umso mehr seine Nächsten achten, je fester er in Gott verankert ist.

Sowohl die Geschichte der DDR und der ehemals kommunistischen Länder Mittel- und Osteuropas als auch die Illusion der grenzenlosen Marktwirtschaft lehren uns: Da, wo versucht wird, ohne Gott auszukommen, wo der Mensch sich zum Maß der Dinge aufschwingt, gerät eine Gesellschaft in Gefahr, zugrunde zu gehen.

Stellen wir uns also mutig und hoffnungsvoll den Herausforderungen, die sich mit unserer freiheitlichen Gesellschaft verbinden. Lassen wir uns von Enttäuschungen nicht lähmen, sondern vielmehr dazu anregen, die Verhältnisse konstruktiv mitzugestalten.


Fürbitten

Herr Jesus Christus, durch die Taufe sind wir zu einer neuen Schöpfung geworden. Daraus wollen wir leben und auch anderen davon Zeugnis geben. So bitten wir dich:

• Für die Ehrenamtlichen in den christlichen Gemeinden, die auf vielfältige Weise Verantwortung übernommen haben: um wachsende Erkenntnis, dass sie durch die Taufe als neue Menschen leben und daraus Kraft schöpfen können, sich auch in die säkulare Gesellschaft einzubringen. – Kyrie eleison:

A: Christe eleison.

• Für Menschen, die in Not und Armut geraten sind, weil sie vom Druck der Wettbewerbsgesellschaft überfordert sind: um Möglichkeiten, einen Zugang zu Arbeit, Gütern und gesellschaft lichen Dienstleistungen zu erhalten. – Kyrie eleison:

A: Christe eleison.

• Für unsere Verstorbenen und für alle, die um sie trauern: um die Erfahrung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. – Kyrie eleison:

A: Christe eleison.

Herr Jesus Christus, durch die Taufe sind wir dir gleich geworden in deinem Tod. Wir danken dir, dass wir mit dir auch auferweckt sind und so als neue Menschen leben können. So wollen wir dich preisen jetzt und in Ewigkeit. Amen.


Gebet

Jesus, sende uns deinen Geist! Gib deine Pfingstgabe mehr und mehr! Mach unser Geistesauge hell und das geistige Vermögen feinfühlig, dass wir deinen Geist von allen anderen zu unterscheiden vermögen. Gib uns deinen Geist, damit von uns gelte: Wohnt in euch der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, so wird jener auch euren sterblichen Leib aufwecken zum Leben durch seinen Geist, der in euch wohnt.

Karl Rahner