9. Tag (2014)

Barmherzig sein

 

Schrifttext (Lk 10,29-37)

Ein Gesetzeslehrer sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Darauf antwortete ihm Jesus:

Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halb tot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.

Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!


Meditation

Novene 2014, Tag 9Nächstenliebe, die auch den barmherzigen Umgang mit Fremden umfasst, ist ein Kennzeichen wahrhaft christlichen Lebens. Eine Geschichte aus den Erzählungen der Chassidim bringt die Bedeutung dieser universalen Mitmenschlichkeit gut zum Ausdruck:

Ein alter Rabbi fragte einst seine Schüler, wie man die Stunde bestimmt, in der die Nacht endet und der Tag beginnt. „Ist es, wenn man von weitem einen Hund von einem Schaf unterscheiden kann?“, fragte einer seiner Schüler. „Nein“, sagte der Rabbi. „Ist es, wenn man einen Apfelbaum von einer Birke unterscheiden kann?“, fragte ein anderer. „Nein“, sagte der Rabbi. „Aber wann ist es dann?“, fragten die Schüler. „Es ist dann, wenn du in das Gesicht irgendeines Menschen blicken kannst und darin deine Schwester oder deinen Bruder siehst. Bis dahin ist die Nacht noch bei uns.“

Aus den Erzählungen der Chassidim


Fürbitten

Barmherziger Gott, die Not und die Verzweiflung so vieler Menschen schreien zum Himmel. Wir wollen nicht an ihnen vorübergehen, sondern in ihrem Gesicht den Bruder und die Schwester erkennen und sie dir anvertrauen:

• Wir beten für Menschen, die zu Verlierern der politischen Wende geworden sind und unter materieller Armut oder seelischer Not leiden. Schenke ihnen die Erfahrung, dass andere bereit sind, sie zu unterstützen und das Lebensnotwendige mit ihnen zu teilen. – Barmherziger Gott:

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

• Wir beten für die Flüchtlinge aus Syrien, dem ganzen Nahen Osten und den afrikanischen Ländern sowie die Migranten aus dem Osten Europas. Lass sie auf Menschen treffen, die sie in herzlicher Gastfreundschaft aufnehmen. – Barmherziger Gott:

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

• Wir beten für diejenigen, die in der Politik Verantwortung tragen. Bestärke sie darin, sich für benachteiligte Menschen einzusetzen. – Barmherziger Gott:

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

Denn du, Gott, bist ein Freund aller, die in Not sind. Du gibst Heimat den Heimatlosen, du schaffst Recht den Unterdrückten. Dafür danken wir dir und preisen dich, bis du kommst in Herrlichkeit. Amen.


Gebet

Lebendiger Gott, öffne unsere Herzen,
damit wir das Wehen deines Geistes spüren.
Öffne unsere Hände,
damit wir sie unseren Mitmenschen entgegenstrecken.
Öffne unsere Lippen,
damit Freude und Wunder des Lebens über sie fließen.
Öffne unsere Ohren,
damit wir deinen Schmerz in unserem
Menschsein hören.
Öffne unsere Augen,
damit wir Christus im Freund wie im Fremden
erkennen.
Gib uns deinen Geist ein
und berühre unser Leben mit dem Leben
Jesu Christi. Amen.

Aus El Salvador