1. Tag (2016)

Begeisterung erhellt die Welt

Impuls

Gerade junge Menschen leben von ihren Visionen und Träumen. Sie haben eine Fähigkeit zur Begeisterung, die ihnen Mut macht, sich für eine andere, bessere Welt einzusetzen.

Junge Menschen sind geborene Idealisten, die bereit sind, für ihre großen Ziele zu kämpfen. Nimmt man der Jugend ihre Begeisterungskraft, ihre vorbehaltlose Lebensfreude, ihren Optimismus und Idealismus, so verkümmert nicht nur das Leben einer ganzen Generation. Die ganze Gesellschaft verarmt, weil ihr neben der Lebens-erfahrung der Älteren etwas Wesentliches fehlt: die Kreativität und Unbekümmertheit des Anfangs.

Daher ist es so verhängnisvoll für alle, wenn junge Menschen schon früh ohne Perspektiven für ihr Leben aufwachsen, wenn sie kaum Liebe und Zuwendung erfahren, wenn es an guter Ausbildung, an Arbeitsplätzen und an sinnstiftender Orientierung fehlt. Wenn materielle und geistige Armut verhindert, dass in ihnen die wunderbaren Kräfte geweckt werden, die der Schöpfer in jeden Menschen auf seine Weise gelegt hat.

Wir schauen auf die jungen Menschen im Osten Europas. Wie viele haben keine hoffnungsfrohen Perspektiven, wie viele können ihre Träume und Ziele nicht umsetzen, weil die Verhältnisse, in denen sie leben, es nicht zulassen!

Dreimal wird in der zweiten Strophe der Pfingstsequenz, die wir heute betrachten, eindringlich nach dem Heiligen Geist gerufen: Komm! Es ist wie ein großer Hilfeschrei nach dem, der nicht der Logik dieser Welt folgt, sondern sich den Armen zuwendet.

Und Armut hat viele Gesichter: materielle, seelische, geistige… So beten auch wir mit den unzähligen Armen unserer Welt, mit allen, deren Visionen und Träume zu zerbrechen drohen: Komm, du Geist Gottes, der uns gute Gaben gibt, schenke uns Begeisterungsfähigkeit, Kreativität, Unbekümmertheit, Lebensfreude!

Komm, erhelle unsere Herzen, mache uns Mut gegen alle Resignation – und lass auch uns zur guten Gabe werden für alle Brüder und Schwestern, denen wir helfen können, dass sie ihre von Gott geschenkten Gaben entdecken und entfalten können. Nur so wird es hell in unserer Welt. Nur so behält unsere Welt das, was sie unbedingt braucht: die vom Heiligen Geist bewirkte jugendliche Lebenskraft und Lebensfreude.


Schrifttext (Ps 130, 1-2.5-6a)

Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir: Herr, höre meine Stimme! Wende dein Ohr mir zu, achte auf mein lautes Flehen!

Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele, ich warte voll Vertrauen auf sein Wort.

Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen.


Fürbitten

Lasst uns beten zu unserem Herrn Jesus Christus, der uns ein Leben in Fülle verheißen hat:

Wecke in uns die Sehnsucht nach dir.

Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu. (GL 645.3)

Gib allen Menschen, die keine Perspektive sehen, Hoffnung und Zuversicht.

Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu.

Stärke und segne die Menschen im Osten Europas.

Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu.


Gebet

Gott, unsere Hoffnung, wir sehnen uns nach einem Leben in Fülle. Nur bei dir finden wir Frieden und Glück. Lenke unser Herz, damit wir erkennen, dass nur durch dich unsere Sehnsucht Erfüllung findet. Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn.

Amen.

Persönliches Zeugnis

Karolina Lukić, 26 Jahre, aus Sarajevo

Karolina Lukić hat für kurze Zeit als Telefon-Produktwerberin in ihrer Heimatstadt gearbeitet. Die angehende Psychologin sollte mit vorgetäuschten Umfragen zum Verbraucherschutz Telefonkunden beeinflussen, den Stromanbieter zu wechseln. Trotz in Aussicht gestellter guter Bezahlung hat Karolina nach wenigen Tagen gekündigt: „Ich fühlte mich schäbig, wollte kein Geld damit verdienen, am Telefon wildfremde Leute zu belügen.“

Karolina will sinnvoll und fair entlohnt arbeiten – wie die meisten jungen Leute in Bosnien und Herzegowina. Weil die allerwenigsten in ihrer Heimat überhaupt einen Arbeitsplatz finden und 82 Prozent der Jugendlichen als arbeitslos gelten, denken viele daran, der Heimat den Rücken zu kehren. „Dabei lieben wir doch unser Land, doch es liebt uns nicht zurück“, sagt Karolina und beschreibt ihre Erfahrung, „dass wir nicht gebraucht werden und dass wir ohne Chance auf einen Beruf nichts aus unserem Leben machen können.“