3. Tag (2008)

Hinführung

Stärke ist moralische Resistenz gegen rohe Gewalt, Durchhaltevermögen auch trotz Verlusten, Verwundungen und Rückschlägen. Eine geistliche Verwurzelung dieses Durchhaltevermögens schafft die Disposition zur Zeugenschaft bis zum Martyrium, wie sie uns die Heiligen Maximilian Kolbe, Edith Stein, der Selige Rupert Mayer, Kardinal von Galen in seiner Verkündigung und Alfred Delp in seiner Treue zum Beruf als Jesuit vor Augen stellen. Diese Stärke wird zur Beharrlichkeit und Durchsetzungskraft, zu Standhaftigkeit, Leidensfähigkeit und Wagnisbereitschaft und in all dem zur Gestaltungskraft und Gestaltungsfähigkeit des eigenen Schicksals und der Umwelt und zur Hochherzigkeit im Lebensentwurf und seiner Umsetzung.

Schriftworte

„Jesus entfernte sich von den Jüngern ungefähr einen Steinwurf weit, kniete nieder und betete: ,Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir. Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.‘ Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und gab ihm neue Kraft. Und er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte. (Lk 22,41-44)

Jesu Kraft zeigte sich im Hof des Hohenpriesters, als einer von den Knechten Jesus ins Gesicht schlug und er ihm entgegnete: „Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es nach, wenn es aber recht war, warum schlägst du mich? (Joh 18,23)

Der gleiche Geist der Stärke gibt Petrus und Johannes vor den Führern der Hohenpriester, den Ältesten und Schriftgelehrten die Antwort ein: „Ob es vor Gott recht ist, mehr auf euch zu hören als auf Gott – das entscheidet selbst. Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben. (Apg 4,19f)

Meditation

Dem Heiligen Geist als dem Geist der Stärke, des Starkmuts und der Tapferkeit bin ich begegnet, als ich mit dem Bischof von Pilsen den „Meditationsgarten“ besuchte und seinen Schöpfer Lubos Hruska (1927-2007) traf. Erst nach der Wende 1989 erlangte er öffentliche Anerkennung und wurde durch zahlreiche Auszeichnungen geehrt. Der Garten bietet Hunderte von malerischen Ansichten, die sich nicht nur mit den wechselnden Jahreszeiten, sondern auch während eines einzigen Tages ständig verändern: Gehölz in vielen Abstufungen der Farbe Grün, samtweicher Rasen, zwei kleine Teiche, die im Sommer mit farbigen Wasserrosen bedeckt sind und in denen sich Fische tummeln, Bäume und Sträucher ungewöhnlicher Arten und Formen, Nadelbäume aus den verschiedensten Winkeln der Erde und auch aus dem nahen Wald. Die Entstehungs-geschichte? Nach den Ereignissen im Februar 1948 entschied sich der junge Offizier Lubos Hruska für die Emigration. Er wurde festgenommen und zu fast zwei Jahrzehnten Haft verurteilt. Das Schicksal der Gefangenschaft teilte er mit der geistigen Elite des tschechoslowakischen Staates. Rund 270.000 Personen wurden in den 420 Gefängnissen für politische Gefangene und in den Arbeitslagern festgehalten. Die Dauer der Haftstrafen aller Häftlinge zusammen ergeben eine Million Lebensjahre. Viele überstanden die Strapazen der Haft nicht oder kehrten mit zerrütteter Gesundheit zurück. Manchem half der Glaube. Zu diesen gehörte auch Lubos Hruska, der erst im Gefängnis zum Glauben fand. Es dauerte mehrere Jahrzehnte, ehe es ihm gelang, mit seinen bescheidenen Einkünften und unter der ständigen Aufsicht des Staatssicherheitsdienstes aus dem Obstgarten seines Vaters am Stadtrand von Pilsen das beschriebene Naturgelände zu schaffen. Die Architektur des Gartens verbindet sich mit zwölf Skulpturen aus Sandstein. In den vierzehn Stationen symbolisiert der akademische Bildhauer Roman Podrázký den Leidensweg Christi. Die Pilsener gaben seiner Schöpfung den Namen „Hruskas Meditationsgarten“. Nachdem im Garten der Bau einer Maximilian-Kolbe-Kapelle beendet worden war, widmete Lubos Hruska im Jahre 1995 die gesamte Anlage dem Bistum Pilsen.

Seine Arbeit blieb nicht ohne Einfluss auf den Schöpfer selbst. Er bekennt, dass er erst nach Jahren wieder fähig war zu verzeihen. Der Geist der Stärke hat den einstigen Republikflüchtling über Jahrzehnte begleitet und ihm Durchhaltevermögen gegeben. Die Maximilian-Kolbe-Kapelle schmückt ein Kreuzweg, dessen 11. Station Maria und Johannes darstellt. Maria zeigt mit der rechten Hand auf das geöffnete Tor des Himmels. Jeder ist eingeladen. Die Maienkönigin, die starke Frau, begleitet uns im Geist der Stärke, den wir erbitten.

Fürbitten

Heiliger Geist, Geist der Stärke, wir bitten dich:

Gib Starkmut und Tapferkeit den Menschen, die Verbannung, Verfolgung, Misserfolg und Kreuz durch Krankheit oder den Verlust lieber Menschen tragen müssen.                                     – Wir bitten dich, erhöre uns.

Gib uns Verständnis für unglückliche Menschen. Schenke uns das rechte Wort und die rechte Tat und Feinfühligkeit, dass wir sie begleiten können.                                                                – Wir bitten dich, erhöre uns.

Gib den Verantwortlichen in Kirche und Gesellschaft die Stärke, die Gott und die Menschen von ihnen erwarten dürfen.                                                                                                                                  – Wir bitten dich, erhöre uns.

Gib unseren Eltern, Erziehern und Ausbildern die Fähigkeiten, dass sie nicht nur Vorbilder zu sein scheinen, sondern es sind.                                                                                                                    – Wir bitten dich, erhöre uns.