5. Tag (2008)

Hinführung

Freude ist die affektive Erlebnisweise einer lebensbejahenden Grundstimmung, eine Erfahrung der Ganzheit-lichkeit und Kreativität, ein Vitalgefühl der Erfüllung des Mensch- seins mit Ausrichtung auf die ewige Vollendung. Diese Freude als Grundstimmung des Friedens im Wissen um das „Heil-Sein“, das Einssein mit Gott und seinen Ordnungen, ist Ausweitung und Erfüllung des eigenen Selbst. So umgreift Freude auch das Leid. In dieser Grundstimmung können auch die Güter irdischer Schöpfung Gegenstand der Freude werden, wie es die Heilige Theresia von Avila ausdrückt: „Wenn fasten, dann fasten, wenn aber Rebhuhn, dann Rebhuhn.“

Schriftworte

Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Jetzt gehe ich zu dir, Vater, doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. (Joh 17,13)

In dieser Freude ermuntert Paulus die Philipper: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit, noch einmal sage ich, freut euch.   (Phil 4,4)

Und den Römern schreibt er: „Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und mit allem Frieden im Glauben, damit ihr reich werdet an Hoffnung in der Kraft des Heiligen Geistes. (Rom 15,13)

Dieses Gebet begründet Paulus: „Denn das Reich Gottes ist nicht essen und trinken, es ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist. (Rom 14,17)

Darum kann auch Jakobus schreiben: „Seid voll Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchung geratet. (Jak 1,2) Denn in der Prüfung durch Versuchungen bewirkt die Freude Ausdauer.

Darum heißt es auch von den Aposteln, nachdem sie ausgepeitscht wurden, „sie gingen weg vom Hohen Rat und freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für Jesu Namen Schmach zu erleiden. (Apg 5,41)

Und der Hebräerbrief bescheinigt seinen Adressaten: „Ihr habt mit den Gefangenen ge- litten und auch den Raub eures Vermögens freudig hingenommen, da ihr wusstet, dass ihr einen besseren Besitz habt, der euch bleibt. (Hebr 10,34)

Meditation

Der Heilige Geist der Freude zeigt sich auf in der 95-jährigen Schwester Klara Laszlau aus der Congregatio Jesu, den Maria Ward Schwestern, die in Rumänien Haushälterin in der Nuntiatur und deshalb 14 Jahre im Gefängnis war. Es war für sie eine Zeit des Segens. Täglich hat ihr der Herr Mut geschenkt, bei Verhören frei ihre Meinung zu sagen und den Kommunisten „die Leviten zu lesen“. Für ihre Mitgefangenen war sie ein guter Engel, hat mit ihnen gebetet, sie im Glauben gestärkt und ihr Gottvertrauen den anderen weitergegeben. Sie hat die Freuden ihres Alters beschrieben, die Schmerzen ihres Alters und die Art, wie sie heute ihr Alter lebt. Einen Teil dieser Gedanken nehmen wir in den heutigen Fürbitten auf.

Der Rest folgt hier: „Die Freuden meines Alters, dass ich immer noch beten und meditieren kann; dass ich den jungen Schwestern einen guten Rat geben kann; dass ich meine Zeit für den Herrn nützen darf; dass ich mitten unter den jungen Schwestern leben darf; dass ich zusammen mit Jesus vierzehn Jahre im Gefängnis leiden durfte; dass ich dort vielen Menschen zur Seite stehen und sie im Glauben stärken durfte; ich danke für das Geschenk der Freiheit; dass ich zum Ordensleben berufen bin; dass ich jetzt keine Verantwortung mehr habe und mich ganz in die Gegenwart Gottes stellen kann. – Die Schmerzen meines Alters: dass ich nicht mehr arbeiten kann, dass ich jetzt nicht mehr Menschen zum Glauben anleiten kann wie damals im Gefängnis; dass so viele Familien, die ich kenne, auseinander gebrochen und ohne Glauben sind. – Wie lebe ich heute mein Alter? Ich opfere meine körperliche Schwäche und meine Müdigkeit auf für meine Mitschwestern, mit denen ich zusammenlebe. Ich freue mich an der Lebendigkeit der Jungen, an den neuen Gebetsformen, und ich bin interessiert am Leben der Menschen draußen und meiner Mitschwestern drinnen. Ich freue mich über die vielen jungen Schwestern, aber ich bin traurig darüber, dass auch bei uns die Berufungen sehr zurückgegangen sind.“

Fürbitten

Heiliger Geist, du Geist der Freude, gerade auch für alte Menschen, wir bitten dich:

Gib‘, dass nach den schweren Zeiten der Verfolgung unsere Ordensgemeinschaften wieder aufblühen.                                                                                                                                                                   – Wir bitten dich, erhöre uns.

Lass‘ uns dankbar sein für die Jahre, in denen wir dem Herrn dienen durften, auch in schweren Zeiten.                                                                                                                                                        – Wir bitten dich, erhöre uns.

Schenke unseren Kirchen die Einheit.                                                                                                              – Wir bitten dich, erhöre uns.

Lass‘ uns beten und arbeiten für das Heil der Menschen und einst für ihr ewiges Glück.           – Wir bitten dich, erhöre uns.

Lass‘ uns auch das Alter als Geschenk Gottes erfahren .                                                                         – Wir bitten dich, erhöre uns.