7. Tag (2008)

Hinführung

Die Frage nach dem Heil ist zentral in allen Religionen. Ausgangspunkt sind Erfahrungen in bedrohter Lebenssituation und Zielpunkt ist die Vollendung, das „GanzSein“. Christus schenkt im Heiligen Geist dem Menschen Erfüllung durch Hineinnahme in sein Leben. Daraus folgt die Verantwortung des Menschen, dass er sich um die Humanisierung der Lebensverhältnisse bemüht, nicht als ein Resultat innergeschichtlicher Selbstfindung und Befreiung, sondern als Gabe Gottes, die der Mensch annimmt und an der er als Mitschöpfer teilhat. Also ist das Heil die Umschreibung des absoluten Gutes, das uns geschenkt wird: unsere Befreiung, das vollendete Leben in der Gemeinschaft mit Gott.

Schriftworte

Gott verheißt dem Propheten Jeremia: „Ich mache dich für dieses Volk zur festen, ehernen Mauer. Mögen sie dich bekämpfen, sie werden dich nicht bezwingen, denn ich bin mit dir, um dir zu helfen und dich zu betten, Spruch des Herrn, ja ich rette dich aus der Hand der Bösen. Ich befreie dich aus der Faust des Tyrannen. (Jer 15,20-21) Gott befreit und ist das Heil: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist die Kraft meines Lebens, vor wem sollte mir bangen? Denn er birgt mich in seinem Haus am Tage des Unheils. Verstoß mich nicht, verlass mich nicht, Gott meines Heiles. Wenn mich auch Vater und Mutter verlassen, der Herr nimmt mich auf. Ich aber bin gewiss zu schauen die Güte des Herrn im Land der Lebenden. (Ps 27,1,5,9,10,13) Insbesondere ist Gott Heil für die Armen, mit denen er sich identifiziert. „Ich will den Herrn preisen mit lauter Stimme, in der Menge ihn loben, denn ersteht dem Armen zur Seite, um ihn vor falschen Richte rn zu retten. (Ps 109,30 f.) Und so verheißt Jesus: „Er richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte „Selig ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes‘ . (Lk 6,20)

„Ihr, die ihr den Herrn fürchtet, hofft auf Heil, auf immerwährende Freude und auf Erbarmen! Schaut auf die früheren Generationen und seht: Wer hat auf den Herrn vertraut und ist dabei zuschanden geworden? Wer hoffte auf ihn und wurde verlassen? Wer rief ihn an, und er erhörte ih n nicht? (Sir 2,9f.)

„Gott aber, der uns und euch in der Treue zu Christus festigt und der uns alle gesalbt hat, er ist es auch, der uns sein Siegel aufgedrückt und als ersten Anteil – am verheißenen Heil — den Geist in unser Herz gegeben hat. (2 Kor 1,21t) „Wir aber, die dem Tag gehören, wollen nüchtern sein und uns rüsten mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil. Denn Gott hat uns nicht für das Gericht seines Zorns bestimmt, sondern dafür, dass wir durch Jesus Christus, unseren Herrn, das Heil erlangen. (1 Thess 5,8f.)

Meditation

Die große Bedeutung der Hoffnung auf das Heil wurde den Mitarbeitern von Renovabis bewusst an einem Beispiel aus Abchasien, 400 Kilometer süd-südöstlich von Sotschi am Schwarzen Meer. Ein polnischer Priester hat dort ein Dorf von Wolgadeutschen gefunden, die 1941 verschleppt worden waren. Die Dorfgemeinschaft hatte den christlichen Glauben bewahrt, das Heil, das ihnen Hoffnung gab, obwohl über 50 Jahre kein Vertreter einer Kirche sie besucht hatte. Es waren vor allem die Babushki, die älteren Frauen, die den Glauben weiter praktizierten. Sie waren uninteressant für die Geheimpolizei und konnten deshalb wirken.

So bewahrten sie auch ohne Priester die Taufe, die kirchliche Eheschließung, die kirchliche Beerdigung und den Rosenkranz. In diesen rudimentären Formen war und ist ihr Glaube lebendig. „Wir möchten einen deutschen Priester“, war ihre Bitte. Sie konnte bisher nicht erfüllt werden. Aber die Babushki leben ihr Apostolat und schenken das Heil weiter, das ihnen geschenkt wurde. So sind sie im Heiligen Geist des Heils verbunden mit Christus, aus dessen Fülle wir alle empfangen Gnade über Gnade, (vgl. Joh 1,16)

Fürbitten

Heiliger Geist – Geist des Heils, schenke uns dein Heil und mache uns bereit, es anzunehmen.                                                                                                                                                              – Wir bitten dich, erhöre uns.

Lass uns kein Unheil suchen, wo wir Heil empfangen sollten und kein Unheil anrichten oder einer „Schein-Heiligkeit“ nachlaufen.                                                                                                   – Wir bitten dich, erhöre uns.

Gib uns die Kraft, andere zu „heilen“, ihnen „Heil“ zu werden, sie dem Heil näher zu bringen und sie für das wahre Heil aufzuschließen.                                                                                                    – Wir bitten dich, erhöre uns.