Christi Himmelfahrt (2010)

Schriftlesung

Aus den Psalmen:

Herr, ich rufe zu Dir. Eile mir zu Hilfe,
höre auf meine Stimme, wenn ich zu Dir rufe.
Wie ein Rauchopfer steige mein Gebet vor Dir auf;
als Abendopfer gelte vor Dir,
wenn ich meine Hände erhebe.
141,1-2

Zu Dir, Herr, erhebe ich meine Seele.
Mein Gott, Dir vertraue ich. Lass mich nicht scheitern,
lass meine Feinde nicht triumphieren!
Denn niemand, der auf Dich hofft, wird zuschanden.
25,1-3

Ich will Dich rühmen mein Leben lang,
in Deinem Namen die Hände erheben. Wie an Fett und
Mark wird satt meine Seele, mit jubelnden Lippen soll
mein Mund Dich preisen.
63,5-6

Erhebt eure Hände zum Heiligtum und preiset den Herrn.
Es segne dich der Herr vom Zion her, der Herr,
der Himmel und Erde gemacht hat.
134,2-3

Meditation

Beten mit erhobenen Händen – immer wieder stoßen wir in den Katakomben auf das Bild des Menschen, der die Arme zum Gebet erhoben hat: ein besonders eindringlicher Gestus – Haltung der Ehrfurcht: freudiges Hinzutreten und ängstliches Zurückschaudern; alles von oben erwarten und sich ganz nach oben schenken.  Es handelt sich um Darstellungen der Verstorbenen, die hier begraben sind und nun betend vor Gott stehen. Sie gehören zu denen, die Christus als „Beute“ zum Vater führte, wie es uns der Epheserbrief am Himmelfahrtstag auslegt: „Er stieg hinauf zur Höhe und erbeutete Gefangene“(4,8: vgl. Ps 68,19). Insbesondere dürfen wir zu der Schar der Vollendeten die Heiligen zählen, die für ihren Glauben gewaltsam getötet wurden.
Die Märtyrer des 20. Jahrhunderts sind viel zahlreicher, als man zunächst glauben möchte. Wir verneigen uns vor diesen Märtyrern in Ost und West, sie sind „der bedeutendste Beweis dafür, dass in der Ganzhingabe seiner selbst an die Sache des Evangeliums jedes Element der Spaltung bewältigt und überwunden werden kann“ (Enzyklika „Ut unum sint“ Nr. 1). Papst Johannes Paul II. sprach in seiner Enzyklika über den Einsatz für die Ökumene „Ut unum sint“ 16 chrisTi himmelfahrT | 13. mai 2010 (1995) vom „gemeinsamen Martyrologium“ der Christenheit. In welcher Form christlicher Existenz man auch lebt, der Märtyrertod ist die „intensivste Gemeinschaft, die es mit Christus geben kann“. (Nr. 84)
In geistlicher Verbundenheit mit dem 2. ÖkumenischenKirchentag, der 2010 unter dem Leitwort „Damit ihr Hoffnung habt!“ in München stattfindet, möge uns das Bild der Orante zum Gebet in der Pfingstnovene anregen und helfen, im Heiligen Geist „zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes zu gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen.“ (Eph 4,13)

Gebet von John Henry Kardinal Newman(1801–1890)

Aus den Psalmen:

Herr, Du hast für Deine Jünger gebetet, dass sie eins sein möchten, wie Du im Vater und wie der Vater in Dir, bis zum Ende der Zeiten. Schau voll Mitleid herab auf die zahllosen Spaltungen gerade unter denen, die sich zu Dir bekennen. Führe sie alle zu der einen Gemeinschaft, die Du am Anfang gefügt hast: zur einen heiligen katholischen Kirche, so dass, wie nur eine Gemeinschaft der Heiligen im Himmel oben besteht, so auch auf Erden unten nur eine sei, voll von einmütigem Bekenntnis und würdigem Lobpreis Deines heiligen Namens. Amen.