2. Tag (2012)

Hinführung

Als ein Prediger bei einer Wallfahrt den Satz sagte: „Die Kirche ist nicht heilig“, klatschten die Leute. Und eine Frau bekannte nach dem Gottesdienst: „Der Satz hat mir gut getan.“ Ein Mann konterte: „Im Glaubensbekenntnis sprechen wir aber das Gegenteil: ‚Ich glaube an die … heilige Kirche’“. Da entwickelte sich eine Diskussion. Wie können wir sagen, die Kirche ist heilig, da wir doch so viel Unheiliges in ihr feststellen? Schließlich sind alle Getauften Sünder, der eine mehr, der andere weniger. Doch, sagt uns die Theologie: Alle, die sich nicht innerlich getrennt haben von Gott, haben auch etwas Heiliges an sich, und zwar in dem Maße, in dem sie dem Herrn verbunden und zur Gemeinschaft mit dem Ewigen berufen sind.                                                                                                                                                Die Kirche garantiert dem Einzelnen diese Gott-Nähe, sie kündet ihm die heiligen Worte, sie spendet ihm die heiligen Zeichen (Sakramente) und sie stellt den Kontakt mit dem göttlichen Bereich her. So gilt: Ich, Glied der Kirche und ein Sünder, darf (dennoch) an die „heilige Kirche“ glauben.

Lesung Mk 1,40-45

Ein Aussätziger kam zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde. Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es – werde rein! Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz und der Mann war rein. Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein: Nimm dich in Acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie
ein Beweis (meiner Gesetzestreue) sein. Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte, sodass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen
Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.

Betrachtungs-Impuls

Was es für die Zeitgenossen Jesu bedeutete, dass er einen Aussätzigen heilte, können wir erst ermessen, wenn wir uns bewusst machen, welch große Angst die Menschen vor dieser Krankheit hatten.Denn zeigten sich bei jemandem die Hautflecken der Lepra oder die Geschwüre einer anderen ansteckenden Hautkrankheit, die man ebenfalls mit dem
Begriff „Aussatz“ belegte, musste dieser Mensch die menschliche Gemeinschaft verlassen und abgesondert eben. Begegnete er auf der Straße irgendjemandem, musste er diesem laut zurufen: „Unrein!“
Noch etwas kam hinzu, was die Kranken sehr stark belastete: Ein Aussätziger galt als von Gott Gezeichneter. An seiner Haut drücke sich die Unreinheit seiner Seele aus. Ein Aussätziger wurde als Sünder betrachtet, dessen Vergehen Gott auf diese Weise ahndet. Dieses unselige Vorurteil drängte einen Aussätzigen völlig an den Rand der Gesellschaft.
Jesus heilt diesen kranken Mensch, wie es der Evangelist Markus berichtet, kraft göttlicher Vollmacht und erweist sich so als der Messias. Jesus befreit vom Aussatz der Sünde. Dem Geheilten befiehlt er, niemandem davon zu erzählen; denn die Menschen könnten Jesu Wirken missverstehen.
Den Jüngern aber hat er nach der Auferstehung den Auftrag gegeben, Sünden nachzulassen. Bei seinem ersten Erscheinen nach der Auferstehung sagte er, wie das Johannesevangelium überliefert: „Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden
vergebt, dem sind sie vergeben …“ (Joh 20,22-23). In der Nachfolge der Apostel ist der Kirche damit die Vergebung aufgetragen. Sie soll vom Aussatz der Sünde heilen – im Auftrag Jesu. Geheilte Sünder sind also Glieder der Kirche. Damit ist klar gesagt: Die Kirche hat vom Herrn die Kraft erhalten, heiligend zu wirken. So dürfen wir die Kirche selbst
„heilig“ nennen.

Fürbitten

V: Voll Vertrauen kommen wir zu Gott mit unseren Anliegen und Bitten: Die Kirche ist Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für das Wirken des Heiligen Geistes. Lass alle Menschen durch den Dienst der Kirche Heil erfahren. – Heiliger Gott:
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Die Kirche ist Volk Gottes. Hilf Klerikern und Laien, ihre gemeinsame Berufung als Getaufte und die damit verbundene Verantwortung für die Gemeinschaft der Gläubigen immer tiefer zu erfassen. – Heiliger Gott:
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Die Kirche ist vom Heiligen Geist beseelter Leib Christi. Bestärke die Glieder des einen Leibes darin, einander solidarisch beizustehen. – Heiliger Gott:
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Die Kirche ist Tempel des Heiligen Geistes. Erhalte den Gläubigen das Bewusstsein für deine Gegenwart in der Welt. – Heiliger Gott:
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Heiliger Gott, Du bist uns nahe. Höre die Bitten,
die wir vor Dein Angesicht getragen haben. Durch
Christus, unsern Herrn.
A: Amen.


Lied: GL 638: „Nun singe Lob, du Christenheit“

Vater Unser

Segen