4. Tag (2014)

Sich in der Bedrängnis bewähren

 

Schrifttext (Joh 16,29-33)

In jener Zeit sagten die Jünger zu Jesus: Jetzt redest du offen und sprichst nicht mehr in Gleichnissen. Jetzt wissen wir, dass du alles weißt und von niemand gefragt zu werden brauchst. Darum glauben wir, dass du von Gott gekommen bist. Jesus erwiderte ihnen: Glaubt ihr jetzt? Die Stunde kommt, und sie ist schon da, in der ihr versprengt werdet, jeder in sein Haus, und mich werdet ihr allein lassen. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.


Meditation

Novene 2014, Tag 4Nach dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch des kommunistischen Machtblocks haben manche gehofft, dass eine deutliche Rückbesinnung auf das Christentum einsetzen und die Kirchen wieder voller würden. Zwar gibt es kontinuierlich einige, die sich als Erwachsene taufen lassen oder wieder zum Glauben zurückfinden; von einer allgemeinen Trendwende kann aber nicht die Rede sein. Zu dieser Ernüchterung kommt hinzu, dass die Gesellschaft im Osten Deutschlands und in den Ländern Mittel- und Osteuropas von verschiedenen Problemen belastet ist. Viele – gerade auch junge – Menschen sind arbeitslos. Ein Mangel an sozialer Gerechtigkeit ist zu beklagen. Trotz mancher Hilfen sehen sich nicht wenige an den Rand der Gesellschaft gedrängt und vom öffentlichen Leben ausgeschlossen. Rechtsextremes Gedankengut ist in einem erschreckenden Ausmaß verbreitet.

All dies kann an die Substanz unseres Glaubens gehen. Was können wir Christen als Minderheit in der Gesellschaft schon ausrichten? Wird es uns in zwanzig Jahren überhaupt noch geben? Und stehen hier nicht die Grundlagen unserer Gesellschaft in Frage?

Jesus weiß darum, dass wir immer wieder in eine Zeit der Bedrängnis geraten können. Für ihn ist das sogar der christliche Normalzustand. „Lasst euch nicht verwirren“, so ruft er uns zu: „Ihr seid der Sauerteig in eurer Gesellschaft, mag sie sein, wie sie will.“

Lassen wir uns also von ihm ermutigen. Erkennen wir unseren Auftrag, inmitten dieser Welt eine „schöpferische Minderheit“ zu sein, die sich unbeirrbar am Evangelium ausrichtet. Unsere Welt braucht Christen, die menschenfreundlich und gottverbunden, weltoffen und tiefgläubig, mutig und gelassen, kritisch und zuversichtlich sind.


Fürbitten

Herr Jesus Christus, du hast uns deinen Frieden zugesagt, auch und gerade dann, wenn uns unsere eigene Not und die Not in unserer Welt schwer belasten. Zu dir rufen wir und bitten dich:

• Für die Priester, Diakone und Ordensleute sowie für alle, die hauptberuflich im kirchlichen Dienst tätig sind: um Stärkung in Zeiten innerer und äußerer Bedrängnis. – Christus, höre uns.

A: Christus, erhöre uns.

• Für Menschen, die sich für das Wohl und die Rechte anderer einsetzen: um Kraft zum Durchhalten trotz aller Widerstände, die ihnen entgegenkommen können. – Christus, höre uns.

A: Christus, erhöre uns.

• Für die Opfer von Gewalt und Terror: um Trost und Frieden in deinem himmlischen Reich. – Christus, höre uns.

A: Christus, erhöre uns.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Gebet

Ohne Vorbehalt und ohne Sorgen
Leg’ ich meinen Tag in Deine Hand.
Sei mein Heute, sei mein gläubig Morgen,
sei mein Gestern, das ich überwand.

Frag’ mich nicht nach meinen Sehnsuchtswegen,
bin in Deinem Mosaik ein Stein.
Wollst mich an die rechte Stelle legen,
Deinen Händen bette ich mich ein!

Edith Stein